Maja Linthe: Bloggen mit Hut

Was ist das Alleinstellungsmerkmal des alphabettinenblogs? Was zeichnet den Blog aus?
Wir bloggen als schreibende Frauen, gemeinsam, vielstimmig, unterschiedlich, ausdrucksstark, experimentell in Technik und Texten, multimedial und authentisch and we are learning by doing

 

 

Bloggen mit Frauen
80% der BloggerInnen sind Frauen, aber unter den Top 100 sind sie kaum vertreten. Das habe ich einmal von Karin Windt erfahren. Unsere Autorinnengruppe schließt Männer explizit als Mitglieder aus. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das es heute nicht mehr so oft gibt. Dieses Alleinstellungsmerkmal kommt aus der selben Zeit wie wir. Wir stehen dazu. Nö, wir wollen keine Männer im Blog. Vielleicht schreiben sie mal einen Gastblog bei uns? Aber wir wollen auch keine Nicht-Berlinerinnen. Zumindest mit einem Fuß muss jede von uns in Berlin stehen. Weil nur Berlinerinnen wirklich cool sind. Wir bloggen also als anachronistische Berlinerinnen mit bewusst kleinem i.

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Bloggen mit Multimedia
Aber nutzen wir als Berlinerinnen mit kleinem i auch die Blogtechnik anders? Auf jeden Fall schreiben wir nie darüber. Wir testen die Möglichkeiten des Blogs aus, indem wir sie nutzen oder mühsam lernen sie zu verwenden. Wir betreiben ein Learning by doing, veröffentlichen ein Blog zu früh, holen es wieder zurück, um es wieder hinaus zu schicken in eine neue Runde. Die multimediale Textproduktion und die Mühsal damit wird im Blog auch zum Gegenstand des Schreibens. Wir digitalisieren Postkarten oder aus dem Papierkorb zurückgeholtes zerknülltes Papier, Zeitungsschnipselcollagen und eröffnen allein dadurch eine Metaperspektive. Wir testen multimediale Texterstellung, indem wir Videos, Fotos, andere Blogs oder auch andere Textexperimente und Webliteratur mit einbeziehen, experimentieren an der Schnittstelle zwischen Papier und Web. Und wir fragen uns, ob es denn für Postkarten z.B. einen digitalen Ersatz gibt? Und wie verändert sich mein Text, wenn er mit den anderen Texten im Blog erscheint und nicht mehr nur für sich allein steht?

 

Alleine bloggen mit Gruppe
Unser Blog ist ein regelmäßiges gemeinschaftliches Schreibprojekt einzelner Autorinnen. Aus Einzelautorinnen einer Autorinnengruppe wird eine gemeinschaftliche Blogautorinschaft, die sich aus einzelnen Stimmen zusammensetzt, gekennzeichnet durch unterschiedliche Kategorien. Es ist die Schreibform des Blogs, die Schreiben allein und gemeinsam gleichermaßen ermöglicht. Wir lesen also nicht nur zusammen auf Lesungen, besprechen nicht mehr nur gemeinschaftlich unsere jeweiligen Texte mit den anderen, wir schreiben auch gemeinsam an einem großen Blogtext. Dieser Blogtext wird noch verlängert durch die Kommentarfunktion im Blog und die Kommunikation über Tools und Techniken außerhalb des Blogs, die aber doch unmittelbar damit im Zusammenhang steht.

Wir haben noch Schallplatten gehört und Kassetten, entstammen der Retrozeit, sind original. Wir haben gemeinsame Alleinstellungsmerkmale und eines allein. Meines heißt Bloggen mit Hut.

3 Gedanken zu “Maja Linthe: Bloggen mit Hut

  1. Briefmarke und Handschrift ließen sich auch hier hinzufügen. Haptisch können wir da natürlich nix ändern oder hinzufügen (Karton, Nadelstich). Aber was gewinnt die Postkarte im Netz hinzu? Früher konnte man sich im Netz klingende Postkarten zusenden. Aber es scheint sich ausgeklungen zu haben, denn ich habe lange keine mehr bekommen. Man könnte natürlich auf einer Karte im Netz den Ort markieren, von dem aus man die Postkarte versendet. Und aus einem Empfänger, einer Empfängerin sind viele geworden, die sich an vielen Orten befinden, was aber für den Erhalt der Postkarte unerheblich geworden ist.

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    1. Kaum habe ich die Postkarte fertig geschrieben, sende ich sie ab und im gleichen Moment kann sie gelesen werden. Auch die Antwortpostkarte kann binnen Minuten folgen. Aber der Weg zum Briefkasten fällt weg, auf dem ich einem Bekannten begegne und aufpassen muss, dass ich nicht in Hundedreck trete, die Geräusche fallen weg, wenn die Postkarte in den Kasten fällt, wenn die Klappe überm Briefschlitz sich schließt. Kein Postbote liest heimlich den Text.

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  2. Nein, es gibt keinen digitalen Ersatz für die gute alte Postkarte. Nur die kann ich, wenn sie mir geschickt wird, an die Wand pinnen und einstauben lassen oder als Lesezeichen in das Buch legen, das ich gerade lese und sie dann nach Jahren wieder auffinden. Ich habe mir hier vom Format Postkarte nur zwei Elemente angeeignet, um sie digital zu nutzen: Den begrenzten Platz, um zu schreiben und das Foto auf der Vorderseite. Es fehlen: die Briefmarke und die konkrete Adresse/Anrede, Es fehlt das Format, der Karton, durch den man eine Nadel stechen kann, es fehlen die vier Ecken und es fehlt meine Handschrift.

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