Marion Boginski – Klein(ich)keiten

blogleichtsinnig

Leichtsinnigerweise leichtsinnig gesagt

Werden Sie nicht leichtsinnig, haben sie/er/ich leichtsinnigerweise gesagt.

Und sind nach dem Aussprechen sofort geholpert, gestolpert, gefallen.

Direkt hinein in das Wort. In die Wortsinnfrage.

L E I C H T S I N N I G

Jemand, der sich keine Gedanken darüber macht, was er tut.

Jemand, der keine allzu großen moralischen Skrupel hat.

Jemand, der fahrlässig, gewagt, riskant, sorglos, verantwortungslos handelt.

Das ist die Bedeutung heute, eine abwertende.

Jemand, der leichten Sinnes ist, der froh ist.

Das war die Bedeutung früher.

L E I C H T S I N N I G

Was für ein wunderbares Wort!

Leichten Sinnes durch die Welt spazieren, gehen, laufen, rennen, springen.

Frohen Mutes sein.

So ein schwebendes, so ein luftiges, so ein beschwingtes Wort!

Aber wo bitte ist der leichte Sinn hin?

Wiesoweshalbwarum ändert sich mit den Zeiten auch die Wortbedeutung?

Im 17. Jahrhundert soll der Sinn des Wortes umgeschlagen sein. Leichtsinnig ist von da an

der nicht Überlegende, Mangel an ernst Zeigende, steht im Grimmschen Wörterbuch.

Leichten Sinnes sein. Würden sie/er/ich gern wollen, sehr gern sogar.

Nicht schweren Mutes, sondern leichten Sinnes.

Was ist der Sinn, wenn die Wortbedeutung sich vom Positiven zum Negativen ändert?

Un-Sinn?

Sie/er/ich möchten den leichten Sinn zurück, möchten das Wort leichtsinnig zurück in

seiner ursprünglichem Bedeutung!

Möchten dieses wunderschöne Wort sinngemäß verwenden.

Leichtsinnig. Leichtsinniger. Am Leichtsinnigsten.

Lasst sie/ihn/mich leichten Sinnes leichtsinnig sein!

Jetzt! Sogleich! Sofort!

 

7 Gedanken zu “Marion Boginski – Klein(ich)keiten

  1. Tja, wenn das Leichtsinnige nicht so schwer wäre für Leute, die nicht geübt sind darin. Und dummerweise wird man nicht leichten Sinnes, indem man sich darum bemüht – oder doch? Scheint mir eine paradoxe Unmöglichkeit – oh je, schon fange ich wieder zu grübeln an…

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  2. Das ist gut überlegt, wie schnell sich die Bedeutung eines Wortes wandelt.
    Mir fällt zu dem „leichten Sinn“ Goethes Gedicht: „Ich ging im Walde so für mich hin“ ein.
    Diese Leichtigkeit und Beschwingtheit gefällt mir.

    Ähnlichen Bedeutungswandel müssen ja viele Wörter mitmachen, so z. B. erklärte mir noch meine Oma, dass Triebe an einer Pflanze, die nicht stark u kräftig waren, geil und deswegen unnötig waren. Später erfuhr ich, dass man das Wort geil nur unter vorgehaltender Hand – weil schlüpfrig – sagt, und noch viele Jahre später war es dann in aller Munde als ein Wort, das wie „super“ oder „toll“ nur eine positive Verstärkung ausdrücken sollte.
    ——————
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  3. oh, ich bin dabei – das wort klingt dann auch gleich sommerlich. wenn der sinn leicht wird, ist unser armes postmodernes hirn entlastet – es muss nicht mehr neurobiologisch durchleuchtet, analysiert, kategorisiert werden. es kann einfach das tun, wozu es da ist, nämlich den dingen einen sinn zu geben. und daher auch seinen namen haben: sinn.

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    1. JAAAA. Bin auch dabei. Ganz leicht tanze ich durch den Tag, immer 5 Zentimeter überm Asphalt. Der HItze drehe ich eine Nase und flute den heißen Asphalt, sprenge den Pool. Die Last der noch zu erledigenden Dinge habe ich unter einen Baum in den Schatten gelegt. Ich verwandele die Straße in ein Meer, ich tränke die Stadt mit Leicht-Sinn.

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