Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Da liegt diese Schachtel auf dem Tisch, seit Wochen schon. Es ist ja nicht so, dass ich ihr keine Beachtung schenke – ganz im Gegenteil. Sehr genau habe ich sie in Augenschein genommen und sogar ihr Innerstes studiert: den Beipackzettel.

Ich muss ja nicht. Im Grunde fühle ich mich pudelwohl. Es wäre alles in Ordnung, gäbe es da nicht diese Forschungsgruppe, die mit ihrem Tun die halbe Menschheit drangsaliert und pathologisiert für Ruhm und Ehr und vielleicht auch noch mehr …

Zu Risiken und Nebenwirkungen.
Was ist denn das eigentlich für ein Wort? Neben Wirkungen.
Das Zipperlein ist behoben, von Herz und Nieren war nicht die Rede, oder was?
Und warum so winzige Buchstabenfolgen? Wollen die mir jetzt etwas mitteilen oder lieber doch nicht? Schreib möglichst klein, dann schrumpfen auch die Bedenken.

Einer bis zehn von 100, von 1000, von 10000 Behandelten; die Nullen bilden lange Ketten und werben um Vertrauen. Aber was denn jetzt – einer oder zehn?
Hier ist es beinahe dasselbe, aber wenn nur zwei statt drei von 1000 erkranken, nennen sie das: ein Argument von 33 Prozent.

Ich ziehe einen Blister aus der Verpackung, befühle die einzelnen Kammern.
Warum soll ich denn nur? Warum soll ich denn nicht?
Vielleicht morgen …

 

2 Gedanken zu “Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

  1. Wirkungen nur mit Nebenwirkungen? Wenn ich aber nur das Erstere will, möchte, brauche. Was dann? Das Beipackzettellesen sein lassen und sich wundern über Wirkungen neben den Wirkungen. Oder doch besser auf Globuli und Nosoden vertrauen. Ich habe mich nur für Wirkungen entschieden. Seit drei Jahren schon. Samuel Hahneman und Heilpraktikerin meinen Dank. Es geht mir sehr gut damit!

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  2. Alltäglichkeiten.
    Alles hilft der Blickschärfe.
    Danke!
    Alles Absicht, je kleiner, desto keiner (Buchstaben-Einblick).
    Was aber, wenn wir die Eine unter den Tausend sind?
    Was aber, wenn wir die Dinger brauchen?
    Oder lieber Alternativen – mit derselben vorauseilenden Wirkung?
    Lieber kein Blick auf den Zettel – oder erst, falls eine der Daneben-Wirkung eintreten sollte.
    Da hilft kein Bauchgefühl. Oder Manchmal doch?
    Ein solcher Beipackzettel kann da richtig ein Kulturkampf zwischen Verstand und Gefühl verursachen … wer kennt das? – Oder nicht?
    Gruß
    Rea

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