Archiv für den Monat Dezember 2017

Anja Koemstedt: Notizen aus dem Papierkorb

jahresrückblick jahresrückblickblick rückrückblickblickblickblick

deine augen machen blickblick und alles ist vergessen

weil heute der letzte tag von     und morgen der erste tag von     ist

der blick in die röhrenkanäle und zurück und

das eigene wundern über das eigene jahr und

wo es hin ist auf einmal das eigene jahr wo ist es hin die tage so aneinandergetackert so und dann und dann und dann so und

dann sollst du aber sooo nicht einen aufsatz schreiben, hast du mal

in der schule gelernt, so viele ungezählte nebeneinander und nach- und übereinander getürmte zeiten, ewige bald

so ein urzeitlich daherkommender strom aus alten tagen, der

sich ungefragt weiter dahinwälzt und

sich einfach jetzt und jetzt und jetzt in dein jetzt ergießt, so einfach geht das

das leben, so geht das, mit oder ohne rückblick, und aber

das SCHÖNE daran ist ja, dass du nicht lügen musst, wenn du sagst, was war

was so wahr war bei dir und damals

du variierst nur aus deinem jetzt heraus die vielen jetzte von damals

und jede variation stimmt für dich, jetzt

das ist aber schööön

jetzt

blickblick rück vor und dann und

Marion Boginski: Klein(ich)keiten

Weihnachtliches Alphabetum

Alle Jahre wieder plötzlich da

Bratapfelduft mit Baumkerzenschein

Cash Cashmerepullover bezahlt

Draußen glüht das Lichtermeer

Eines Jahres am Heiligabend wieder

Flockenwirbelzentimeterhoch

Gänsebratengerippe

Heiligabend aber noch nicht

Immer dieses Warten auf den Weihnachtsmann

Jedes Jahr neu

Kinderaugenlächeln beim Geschenkeaufreißen

Liedersingen bis zur ersten Strophe

Marzipankartoffel als Weihnachtsgemüse

Nichtalleinsein überlebensnotwendig

OmaOpaOnkelbesuch

Passend gemacht Weihnachtskommerz und Christi Geburt

Qual der Geschenkewahl

Rituale – Kartoffelsalat mit Wiener, Ente mit Rotkohl, Nachmittagsspaziergang mit offenem Hosenknopf

Spielen mal wieder Mensch ärgere dich nicht

Tausche Schal gegen Seidenbluse

Umständehalber Hund abzugeben

Vor dem Fest hat fast jeder gute Laune

Weihnachtlicher Geschenketausch von Mann zu Frau zu Oma zu Opa zu Kind und zurück

Xanthippe hat über Weihnachten (Wihenaht – heilige Nächte) Auftrittsverbot

Ysop für die Tage nach dem Schlemmen

Zum Feste nur das Beste – Glück und Liebe und Frieden!

 

Schöne Weihnachten!

 

 

 

 

 

 

 

Stadtspaziergang, Wien

Entzücken über architektur und kaffeehäuser. Ich trinke schönheit, esse punchkrapferl und hefigen strudl. Wann immer ich in wien bin, fällt etwas von mir ab. Vielleicht eine anstrengung, die berlin einem abverlangt: dass man immer so viel trostloses ignorieren muss, um das schöne genießen zu können – sei es grauer beton, schlafsäcke unter brücken oder trauriges gebäck. Hier dagegen sind ästhetik und genuss selbstverständlich.

Wenn man durch diese strassen läuft – mit verwaltungs- und regierungsgebäuden, die älter, höher, reicher sind als alles, was in berlin je gebaut wurde, wo selbst die keller, in denen man shoppen oder clubben geht, mehrere geschosse und hohe, verzierte decken aufweisen – scheint es unglaublich, dass die preußen jemals maria theresia besiegen konnten.

Ich stehe an einer kreuzung, warte bei rot, schaue auf die ampel und muss lachen. Selbst die gibt sich mühe, unser berühmtes ampelmännchen zu toppen. Sie haben zwei ampelwesen hier, ein ampelpärchen steht hand in hand. Ich freue mich über gleichberechtigung im strassenverkehr. Die ampel springt auf grün. Das pärchen läuft los, mit klopfendem herzen zwischen den köpfen.

Während ich über
die strasse schlendere
frage ich mich
was wohl die wiener
queer-community
zu dieser zurschaustellung
von hetereonormativität
sagt.

An der nächsten kreuzung
sehe ich
die antwort

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seitensprünge

Jahresbilanz: keine Ungereimtheiten

… und wieder ist es ihnen gelungen, geschickt und mutig sind sie gesprungen, aus Köpfen in die Tastaturen, auf Server und in Agenturen, in Blogs oder zu den Lektoren*, auf volle Tische, in offene Ohren von Verlegern* und Juroren*, in manche kassennahe Regale oder auf hippe Webportale, unbeirrt auf Lesebühnen => => die Ideen der alphabettínen

(*: na, ihr wisst schon, die ‚innen‘ sind immer und an erster Stelle mitgedacht, reimen sich aber nicht so gut – also doch Ungereimtheiten …)

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