Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Mitgemeint

Verborgen in den Tiefen der sprachlichen Gewohnheit, spüre ich die Sehnsucht nach dem explizit Weiblichen, das in seiner ureigenen Form leider selten zu finden ist, in der Regel verschwiegen und auch sonst viel zu häufig beiseitegeschoben, allein dort plakativ ins Bewusstsein gerückt, wo es ziemlich nackt dasteht.

Seit jeher. Ist das so. Zwar will unsere Gegenwart längst eine andere sein, doch das andere wird laut Duden nun einmal bevorzugt kleingeschrieben, während das Weitere immer groß daherkommt und deshalb seinen Platz verteidigt gegen jeden Widerspruch, der kein Schon- wieder-Spruch ist. So bleibt die Kundin auch zukünftig ein Kunde für die Bank, die sich die Frau wohl gar nicht vorstellen kann, wenn es ums Geld geht oder ums Vermögen in diesem brüderlichen Vaterland, das sich auch nicht neu denken lassen will.

Und dann höre ich folgenden Dialog:
Kind: Wofür ist denn das Geld hier in der Schale?
Mutmaßliche Mutter: Für die Putzfrau.
Zu diesem Zeitpunkt ist weit und breit kein Mensch zu sehen, der oder die zum Reinigungspersonal gehören könnte, und doch ist das generische Maskulinum ganz schnell und selbstverständlich von der Bildfläche verschwunden, hat sich aus dem Staub gemacht und verlangt nach keinem Richter und auch nach keiner Richterin, es zum Maß aller Dinge zu erheben. Dem Kind werden die wenigen Münzen als kümmerlicher Lohn erscheinen. Na ja, für solchen braucht’s ja dann auch keine Bank.

 

3 Gedanken zu “Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

  1. Banken sind per se asozial, da ist das nur noch das I-Tüpfelchen.
    Letztens habe ich einen Text gelesen, in dem grundsätzlich die weibliche Form benutzt wurde, und der Text handelte nicht von Reinigungspersonal. Das hat sich verdammt gut angefühlt und ich kann durchaus verstehen, dass Männer auf dieses Vorrecht nicht verzichten wollen. Denn frau ist in diesem Text mit einem Mal die Norm und nicht mehr nur Abweichung und Anhängsel. Ein gutes Gefühl, sich in der Muttersprache (!) endlich mal ganz zu Hause fühlen zu können.

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  2. Mehr gibt es dazu an sich nicht zu sagen. Und der durchaus nachvollziehbare Vorschlag bzgl. der Nationalhymne wird verspottet und nicht ernst genommen (letztens auf Antenne Bayern gehört). Einfach nur traurig.

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