Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Vor der Tür stehen, das heißt ja: Nicht mehr lange,
bis es kommt, gleich, gleich.
Ein Countdown der besonderen Art ist der Kalender mit den 24 Türchen. Nur ein bisschen Schokolade, ein buntes Bild, die Kinder freuen sich.

Kinder? Wie jetzt, Kinder? Und die Erwachsenen?
Die brauchen das doch auch, noch viel dringender sogar, sich überraschen lassen, wo gibt es das denn noch in Zeiten des Word Wide Web, wo wir schon vorher wissen, wie das Klo aussehen wird, in das wir im Urlaub pinkeln werden, welche Ecke am Strand zu meiden ist, weil das angeschwemmte Plastik den Meerblick trübt. Türchen also, wunderbar, und wo die Kleinen klein, sind die Großen groß, größer, gigantisch. Schokolade war einmal. Und Türchen auch. Jetzt sind es Säcke, Pakete, Ungetüme im Schrankformat. Der Adventskalender wird zum Statussymbol. In 24 Raten abstottern, was schiefgegangen ist übers Jahr, damit Frieden herrscht zum Fest. Die Premiumausgabe ist schon für knapp 230 Talerchen zu haben, Peanuts das alles, Zinsen gibt’s ja nicht, bloß weg mit dem Geld.

Bloß her mit dem Geld, schreit es aus den Geschäften. Ist Halloween vorbei, kommt der Black Friday und der Nikolaus, es gibt immer einen Grund, mit den Scheinen um sich zu werfen. Mit den Münzen nur ab und zu, wenn einer vor der Bank sitzt und den Weg versperrt oder jemand eine Büchse neben die Kasse  gestellt hat fürs Gewissen.
Also, auf geht’s auch in diesem Winter, die Binnenkonjunktur, frohlocken die Wirtschaftsweisen, besten Dank, sagen die Beschenkten, schleudern alles in die Kommode, bis sie voll ist. Und dann gibt’s eine neue, zweite, dritte im nächsten Jahr. Glücksrad und Sekt zum Sonntagshopping, jawoll.

Ein Gedanke zu “Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

  1. Jawoll! Habe auch im sonnigen Süden bei 26 Grad Luft- und 23 Grad Wassertemperatur schon den ersten Plastik – Weihnachtsmann erspäht. In der hintersten Ecke eines Touri – Geschäftes, ganz verschämt stand er dort, wollte sich nicht fotografieren lassen, nichtmal, als ich ihm in gebrochenem Spanisch verriet, dass ich aus Deutschland komme.

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