Claudia Schattach: Ansichten einer Kurzsichtigen

GEMOBBT

Irgendwo muss es doch Hilfe geben für Menschen wie mich, Menschen, denen schon morgens die Stehlampe im Schlafzimmer den Mittelfinger zeigt und damit zum Ausdruck bringt, was ihr bescheidenes Besitztum von ihnen hält.

Ich werfe der Lampe einen empörten Blick zu und schlurfe in die Küche, wo eine angebrochene Rotweinflasche bei meinem Anblick den Korken ausspuckt und sich vom Tisch wirft. Der nun benötigte Wischlappen bleibt perfiderweise unauffindbar.

Während ich mit Papierküchentüchern den Wein aufwische und merke, dass der Boden an dieser Stelle plötzlich deutlich heller aussieht, stoße ich versehentlich an das Küchenregal, das mir die zarte Berührung übel nimmt und sofort alles von sich wirft oder vielmehr auf mich. Diese Gelegenheit nutzen zwei offenbar schlecht gelaunte Gläser, um in tausend Stücke zu zerbersten.

Gut, tausend ist übertrieben, aber wo zum Kuckuck …? Offenbar machen sich Wischlappen und Besen eine schöne Zeit zusammen, wo auch immer. Mein Kühlschrank gibt einen brummigen, ausufernden Kommentar dazu ab. Er verweigert mir schon seit Monaten die Erleuchtung und als ich im Dunkeln nach der Butter taste, fällt mir der noch halb volle Sahnebecher entgegen.

Mein trautes Heim mobbt mich.
Irgendwo muss es doch Hilfe geben für Menschen wie mich …

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