Postkarte aus EBERSWALDE

Diese Stadt wandelt sich, hat sich gewandelt, verwandelt, eine Metamorphose durchschritten, wurde vom Aschenputtel zur Prinzessin. Hier spielt eine ganz frühe Kindheitserinnerung. Ein großes altes Haus, ein altes Ehepaar in einer staubigen Wohnung. Onkel und Tante sagte mein Vater zu ihnen. Da stand eine Puppe mit einem weiten schwarzen in tausend Falten gelegten Rock auf einer Anrichte. Porzellankopf. Es kann ein Kaffeewärmer gewesen sein.
Ich wandle durch meine Erinnerungen.
Vor der Verwandlung:  Russenmagazin, Moskauer Eis, Mischkakonfekt, schmutziger Bahnhof, Spritzkuchen, Tierpark. Nach der Verwandlung: Spritzkuchen, Tierpark, Jazz, Eberhard & Bernadette, Kunstblumen auf dem Rasen, alphabettínentreffen, Weiße Schatten der Endmoräne, Goldschatz, Messingwerksiedlung, Paul-Wunderlich-Haus.

4 Kommentare zu „Postkarte aus EBERSWALDE

  1. Postpostkarte aus dem Altmühltal

    In Eichstätt stoße ich auf den Archaeopteryx. Übertragen heißt das Wort die Urschwinge. Ich stoße auf ihn wie der Mensch, der ihn entdeckt und ans Tageslicht beförderz hat. Doch tauche ich tiefer in die Schichten meines Archaeopteryx. Während das Tauchgangs wird mir klar, dass dieses Fossil ein Bindeglied der Geschichte ist. Nicht nur als Teil im Geschiebe der Erdschichten. Auch nicht als fossilies Highlight, das das Licht der Welt erblickt hat. Ich sehe mich als Kind über einem Buch hocken. Es stammt aus der Schulbbliothek. Viele Fossilien sind darin abegebildet, beschrieben und erklärt, wie es mutmaßlich war, als die Versteinerungen lebendige Wesen waren. Ich sehe mich den Archaeopteryx studieren. Ich sehe mich Pausen machen mit Butterbrotpapier. Ich sehe mich, die Pausen auf Zeichenpapier übertragen. Ich sehe mich, die Vergangenheit ausmalen. So wie wir es heute als Erwachsene tun. In Fehlfarben. Einige haben nur dunkle Farben zur Verfügung der Schichten. Andere überzeichnen sie in grellbunt. Ich sehe mich zu gedeckten Tönen greifen.  Ich lasse meine kindliche Fantasie mit der Urschwinge schweifen. Heute in Eichstätt sehe ich auch, dass es auf der anderen Seite, meiner anderen Seite der Mauer Kinder gegeben hat, die in ihren Zimmern saßen und ihre Fantasie mit den gleichen Schwingen haben schweifen lassen. Wer weiß, vielleicht sind wir uns auf diesen kindlich höheren Schichten damals begegnet und ich habe es vergessen.  Dass es Grenzen gibt, darin wurde ich auch in den folgenden Jahren unterrichtet. Bis in tiefe Schichten hinein. Und auch das war/ist wohl eher ein verbindendes Glied unserer Kindheiten. Hauptsache ist, wir bleiben lebendige Wesen und versteinern nicht. Dann sind wir der Urschwingen und Veränderung fähig – wie Eberswalde.

    Herzliche Grüße von Ines

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke für die Antwortpostkarte. Ich habe als Kind Briefmarken gesammelt und erinnere mich an eine mit dem Skelett eines Flugsauriers. Ist er das, der Archaeopteryx. Ich werde gleich mal googeln.

      Gefällt 1 Person

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