Nachtschattennotizen im Tagwald

quakenbrück : ausfall II

es macht einen unterschied woher du kommst
ob aus hamburg, buxheim oder vom planeten trillaphon

wurde frau hauser danach gefragt
und das passierte selten genug aufgrund der allgemeinen 
homeoffice-verordnung
kam sie neuerdings „aus dem bett“

schlösse man vom namen ihres städtchens auf sie selbst
fürchtete sie für eine dieser schnattertanten gehalten zu werden
mit kissen auf fensterbank und allzeit im bilde
brühwarm die breaking news aus der nachbarschaft 
ganz smart per phone und pc in alle winde streuend tag für tag

genau so eine war sie auch
aber wer will das schon an die große glocke hängen

ihr kurzes knallrot gefärbtes kunstvoll toupiertes haar
die kühn um den hals geworfene grüne federboa sobald
sie das haus verließ forderten durchaus manch fremde 
zu der frage nach ihrer herkunft auf
„aus dem bett“ war eine hervorragende antwort
noch keiner der fragenden bislang hatte angemessen
auf diese auskunft reagiert

frau hauser amüsierte das köstlich und stets aufs neue
eintönige zeiten erfordern beherztes ausscheren aus selbigen

heute beschließt frau hauser blau zu machen
sie verlässt ihr 2-Zi/küche/bad/wc-büro
besorgt sich ein fläschchen eierlikör und richtet sich häuslich
auf ihrer lieblingsparkbank ein 
ruhige lage direkt hinter dem städtischen krankenhaus
und sichere 40 gehminuten von ihrer wohnung entfernt

als eine alte frau von einem pfleger in ihrem krankenhausbett
an ihr vorbeigeschoben wird
seufzt frau hauser leise und prostet ihr zu

die frau lächelt zurück
hebt einen daumen und ruft „kommen Sie – wir tauschen“
frau hauser fackelt nicht lange und steht auf

5 Kommentare zu „Nachtschattennotizen im Tagwald

    1. dear miss anonymous ricarda, wenn ich mich vom handy aus einlogge hier, erscheine ich plötzlich auch anonym, rätsel der technik.
      und ja, sehr gut erkannt, frau hauser saß da wirklich, recht lange sogar, siehe flascheninhalt. diese bank steht aber auch in einer sehr hübschen ecke, ich verweile dort gelegentlich selbst. ein schelm, wer böses dabei denkt.

      Gefällt mir

  1. Wenn ich hier bei uns aus Eiterbach käme, würde ich es genauso machen wie Frau Hauser. Allerdings hatten wir auch selten so viel Farbe im Blog wie mit Frau Hauser: rote Haare, grüne Federboa und gelber Eierlikör. Und dann macht sie auch noch blau. Das würde definitiv einen Farbklecks geben im Krankenhausbett.

    Gefällt 2 Personen

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