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Über alphabettinenblog

Wir sind die Autorinnengruppe alphabettinen. Einige von uns bloggen im alphabettinenblog in unterschiedlichen Rubriken. www.alphabettinen.de

Maja Linthe: Eine Lesung ohne Élouise

 

Lesung auf dem Heidelberger Literaturherbst für die Bücherfrauen Rhein-Neckar mit Life-Drawing von Anna Donska

Am 20. September 2020 habe ich, gemeinsam mit Stefanie Hanel, auf einer Veranstaltung der BücherFrauen Rhein-Neckar zum Heidelberger Literaturherbst gelesen. Mein Dank gilt der Illustratorin Anna Donska, die die Lesung mit einem Life-Drawing begleitete, der Organisatorin Inka Bankwitz und Paula Hanel, von der die Filmaufnahmen stammen. Trotz der strengen Hygieneauflagen war es eine sehr stimmungsvolle Lesung und ich bin sehr froh, dass ich daran teilgenommen habe.

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Maja Linthe: On the road with Élouise – reloaded 3

Wir gingen spazieren, Élouise und ich, auf der Mannheimer Maulbeerinsel, zentrierten auf dem Display den kleinen Pfeil und folgten den blauen Punkten des Wegs. Die Stimme hatten wir stumm geschaltet. So liefen wir über die Insel zwischen Wasser und Erde, Schatten und Licht, bis vor uns mittendrin ein Turm wie ein Stachel im Boden steckte. Maja Linthe: On the road with Élouise – reloaded 3 weiterlesen

Maja Linthe: On the road with Élouise – reloaded 2

Für Emily

Élouise war mit neuem Groove zurückgekehrt und die Waldwand lässig heruntergebouldert. Unten angelangt schaute sie ins Wasser, um sich zu vergewissern und erneut, wie über die Schulter, den Himmel zu sehen. Neben der Fluglinie des Passagierflugzeugs schwamm ein trockenes Blatt, folgte schwimmend dem Flieger.

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Maja Linthe: Eine Nachricht für Bettine

Ich schicke dir diesen Papierflieger aus virtuellem Papier, verfasse eine Instagram-Nachricht an dich, Bettine. Ich habe solch einen kleinen Flieger noch niemals verschickt, tue es aber jetzt, weil ich das Gefühl habe, dich hier am Besten zu erreichen. Du hast sogar ein blaues Häkchen, Bettine, das Nonplusultra auf Instagram. I am very impressed.

Während ich dir diese Nachricht schreibe, habe ich Kopfhörer in den Ohren, kann dich sehen und hören, deine Gitarre, deine Band, deine Stimme, die deine schönen Gedichte singt. Auf deinem Instagram-Account sehe ich Fotos von dir auf deiner letzten Tour, in Austin, Texas, in Santa Monica, mit dem  Victory Zeichen im Grand Canyon oder mit Zigarette und Bier in Chicago vor dem Garderobenspiegel, kurz vor der Show. Du bist schön und androgyn, so wie immer. Mir gefallen die Selfies im Polaroid-Stil am besten.

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Maja Linthe: Bloggen mit Hut

On the road with Élouise – reloaded: Heidelbergblues

Wir gingen hinaus aus dem Feld, dorthin, wo die Stadt ihre Spuren verwischt hatte wie die Buchstaben einer mit Tinte geschriebenen Schrift. Die Stadt hatte sich abmontiert, ihren Standort verlagert. Was blieb, war der helle Zug ihres Namens auf einer schmutzigen Wand. Kein Licht war zuvor unter die Buchstaben gedrungen.

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Maja Linthe: Bloggen mit Mut

Wir treffen uns im virtuellen Blograum und wir treffen uns im realen Berlinraum, dort hinter verschlossenen Türen. Im Blograum sind wir uns manchmal nicht bewusst, dass da noch andere anwesend sind – außer uns. Wir verhalten uns im Blograum so, als würden wir zuhause am Schreibtisch sitzen und unseren Text aus dem Fenster rufen. Es hören uns nicht viele, denn unser Schreibtisch steht im 4. Stock und unten ist es laut, viel Verkehr. Und doch ist der Blog etwas dazwischen, zwischen dem Schreiben am Schreibtisch und dem Treffen im öffentlichen Raum. Unten auf der Straße könnte uns jemand hören, trotz lautem Verkehr, und bei uns klingeln. Dann müssten wir eigentlich öffnen, ihm oder ihr alleine Rede und Antwort stehen, denn weshalb sollten wir sonst aus dem Fenster rufen? Und natürlich hören wir uns gegenseitig zu, weil wir aufmerksam sind, füreinander. Denn wir schreiben alleine und wir schreiben als Gruppe, wir schreiben füreinander und wir schreiben für andere, am Schreibtisch und aus dem Fenster rufend. Wir schreiben dazwischen im Blog. Maja Linthe: Bloggen mit Mut weiterlesen

Maja Linthe: Bloggen mit Hut

Eineliebeserklärungandenblog

Lichtschatulle

Das Licht war ausgesperrt und kam doch herein, fiel durch Gitterstäbe und Scheiben. Wir waren froh, dass wir hinausgehen konnten zum Licht, das Sonnenlicht war und Spiegellicht, Blätter- und Bodenlicht, Wand-, Holz- und Glaslicht, Drinnen- und Draußenlicht, lautes und leises, glänzend und stumpf. Fleckiges gab es auch. Ich lichtete es ab, um es aufzuheben für Tage mit Regen und schwarzem Wind. Ich machte Fotos vom Licht, um sie in eine Schatulle zu legen, die mit Samt ausgeschlagen war. An einem dieser Tage, die nach feuchtkalten Straßenbahnen rochen, wollte ich sie hervorholen, gemeinsam mit Élouise. Wir würden den Deckel erst nur einen Spalt breit öffnen, das Licht quölle dabei an den Seiten heraus. Und während Élouise den Deckel aufklappte, um die Bilder zu betrachten, könnte ich Sonnenwärme spüren zwischen den Knöcheln, auf dem Rücken meiner schon alten Hand. (aus:On the road with Élouise 57)

Maja Linthe: Bloggen mit Hut

Liebe S.,
dein Bruder hat mir deine Texte gezeigt. Ich hoffe, du hast nichts dagegen. So viele hast du ihm zurückgelassen, als wolltest du sicherstellen, dass wenigstens einige davon gelesen werden. Das nehme ich als Zeichen.

In der Brückenstraße, wo du deine Wohnung hattest, habe ich dich manchmal gesehen. Du warst eine Schreibende so wie ich, aber eine, die die Lippen bewegte beim Schreiben. Überall in der Stadt hast du geschrieben, an die Hauswand gelehnt, auf einem Mäuerchen sitzend, an der Straßenbahnhaltestelle, mitten auf der Verkehrsinsel, sogar dort hast du schreibend gesessen und die Lippen bewegt dabei. Verständigt hast du dich mit niemandem mehr. Trotzdem hast du, als du gestorben bist, deine Texte zurückgelassen, war die ganze Wohnung gefüllt mit von dir beschriebenen Seiten, die ich deinen Bruder bat mir zu zeigen.

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