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Anja Koemstedt: Notizen aus dem Papierkorb

horsts hirnanhangdrüse (hier in gelber ausführung)

zu gast bei freunden

hirnschranken schränken denken ein

sprach frank der schrank und verschwand

in der wand hinter seiner pressspanschrankrückwand.

 

nur hatte er die rechnung leider ohne fürst horst gemacht,

der ihn bereits mit fromm verschränkten händen milde lächelnd

auf der anderen seite der wand erwartete und ihn sich auf dem weg zum

ankerzentrum sanft zur brust nahm.

(denn die hirnschranke von fürst horst hatte sich das hirn

von fürst horst hübsch als hirneigenes ankerzentrum ausgedacht,

geschickt untergebracht in den hinteren gemächern.)

 

dort haust er nun, der frank, in der horstschen hirnanhangdrüse.

beileibe nicht als einziger. schön ist es dort nicht.

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

 

augen auf schlag

early morning yawning

blechlawinen bling bling

supermarket ding ding

bankenschlachten kling kling

arbeitwollnse xing xing

auch geier reihern (boring)

auch geier reihern (boring)

china schießt auf ming ming

toter vogel sing sing

ditschmecktnicht : ( chicken wing wing

onlineterror ring ring

schiri kennst du king king

boah!diemerkel! ping ping

bordertrump please: ging ging

god is only surfing

god is only surfing

god is only surfing

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

VON REIZENDEN WOrten

die allüberall-anwesenheit des wörtchens slot

schon bemerkt?

sagen Sie auch schon SLOT

und hauen es so zungenschlagartig raus

als sehr entschiedene person die Sie somit vorgeben zu sein

 

schon steht der slot in einer sprechblase

knallig in neonleuchtschrift (wär gar nicht nötig)

im raum

 

ich finde meinen slot nicht hat eigentlich jeder einen slot

alle welt slottet hast du deine manusskriptabgabe erfolgreich eingeslottet

der brummifahrer der großspedition nebenan jammert

gestern keinen slot mehr bekommen zu haben am hamburger hafen

um seine ladung zu löschen

slotten um zu löschen ist das maybe der trick an der sache

der das slotten so sexy macht

 

gestern habe ich mich verslottet

als chronisch zu-späte jedoch normal für mich

meinen slot

zu verfehlen aber auch du führst ein slotterleben

bei deinen vielen slots in der woche bist auch du manchmal daneben

 

nicht jeder slot ein treffer ins schwarze (loch der zeit. nein. zu slottig. fällt jetzt hier

in my own personal slot – – -)

 

so knackig PENG haut der kleine slot alle anderen

terminlich ungenauen zeitfensterbegrifflichkeiten aus der kurve

slottet sie einfach um

 

ein zeitRAUMkonstrukt ist so ein slot oder

oder wie kam es

dass ich gestern mitten im text in eine tiefe slotspalte stürzte

ohne helm am schreibtisch zu sitzen kann tödlich enden

ab heute wegen slotgefahr trage ich ihn mit demut

 

eine frühe slot-fundstelle datiert bereits vor über sieben jahren

sehr unerwartet im herrndorf–blog (eintrag vom 21.9.2010 12:35 Uhr http://www.wolfgang-herrndorf.de/2010/09/acht/)

auch der hat also schon zu slotten gewusst

 

Uwe hat die ersten zwanzig Kapitel durchgeschaut und Rowohlt informiert. Man könnte einen Slot zwischen Sommer und Herbst freihalten.

 

soll ich Ihnen ein platz auf der bank neben mir freihalten

die sonne scheint grad so schön ach so ein herrlicher slot heute

 

hey erfinde wer bittschön einen slotty-robotty der packe mir

ZISCH all meine virtuellen fußabdrücke in den finalen datenslot

den fahr ich dann eigenhändig zum hamburger hafen

slot bot slot the data

 

eine ganz private eigene datenschublade (abschließbar)

oder heißt das jetzt data slot

fehlt mir noch in meinem schreibtisch

wie verstauen Sie eigentlich Ihre daten?

fragen Sie doch einfach Ihren chef oder datenslotter oder lesen Sie die datenumschau

 

 

PS

daten über daten über daten

ein kwaatschiges wort im vergleich zum slot

ein surfen auf grüner götterspeise

eine wabbelige angelegenheit

quellen kühl zwischen den fingern hindurch und schmatzen dabei leise die daten

(ab in den slot)

PPS

kaum tummelt man sich im netz zwitschern einem die daten ab

versammeln sich zum beispiel gern unter hashtags

die ergeben zusammen huch! einen jägerzaun

tummeln wir uns also wohlgehütet hinter jägerzäunen

mit firewalls

des milden lächelns unserer datengötter gewiss

oder ich mache für heute feierabend und richte mich gemütlich ein

in meinem verbleibenden mittwochsslot

man lernt ja nie aus

Anja Koemstedt: Notizen aus dem Papierkorb

jahresrückblick jahresrückblickblick rückrückblickblickblickblick

deine augen machen blickblick und alles ist vergessen

weil heute der letzte tag von     und morgen der erste tag von     ist

der blick in die röhrenkanäle und zurück und

das eigene wundern über das eigene jahr und

wo es hin ist auf einmal das eigene jahr wo ist es hin die tage so aneinandergetackert so und dann und dann und dann so und

dann sollst du aber sooo nicht einen aufsatz schreiben, hast du mal

in der schule gelernt, so viele ungezählte nebeneinander und nach- und übereinander getürmte zeiten, ewige bald

so ein urzeitlich daherkommender strom aus alten tagen, der

sich ungefragt weiter dahinwälzt und

sich einfach jetzt und jetzt und jetzt in dein jetzt ergießt, so einfach geht das

das leben, so geht das, mit oder ohne rückblick, und aber

das SCHÖNE daran ist ja, dass du nicht lügen musst, wenn du sagst, was war

was so wahr war bei dir und damals

du variierst nur aus deinem jetzt heraus die vielen jetzte von damals

und jede variation stimmt für dich, jetzt

das ist aber schööön

jetzt

blickblick rück vor und dann und

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

ruhig brauner

all die alternativen für deutschland

aldi alter nativ für deutschland und ein liedl auf den lippen

von völkern und freiheit und

geld macht geil

und endlos gleist das gebalke der donnermänner durch meinen gehörgang

„lasst uns unser land in ein land der pilze verwandeln!“

flüstert kim jong un aus tausend lautsprechern

(das träume ich, das flüstern; beinahe schon poetisch)

vorbildliche ordnung

thomas bernhard bleibt erstaunlich ruhig und schreibt: „ da ist ein nazi in der suppe“

ja, frau christa wolf, welch glückliche einrichtung, dass auf der stirn nicht zu lesen ist, was hinter ihr gedacht wird

das erledigt heutzutage unser täglich netz

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

1 hallo, können Sie mir helfen? ich finde meinen inneren wahlomat nicht mehr!
2 ach, fragen Sie doch den freundlichen schutzmann an der ecke!

1 ich nochmal, sagen Sie, darf ich, ohne zu wissen, was ich vekaufen will, einen laden eröffnen?

2 mensch, lesen Sie doch einfach kant, kritik der reinen vernunft. da steht’s.
gedanken ohne inhalt: leer. anschauungen ohne begriffe: blind.

1 äh, also, darf ich?

2 hey: überprüfen Sie doch erstmal Ihre möglichkeiten der erkenntnisfindung ohne verwendung der erfahrung!

1 Sie meinen: backen ohne mehl?

2 ich meine: Sie haben ja keine ahnung, worauf es ankommt!

1 aber Sie!?

2 aber ja! (Beruf: Geldspiel-Automaten-Aufsteller-König von Deutschland.
Anm.d.Red.)

1 also, auch wenn ich Sie nerve, aber, darf ich denn jetzt wählen gehen, ohne zu wissen, wen?

2 na, im zweifel denken Sie einfach mit Ihrem knie. tut keinem weh, haha. oder werfen Sie ne münze. oder geben Sie die münze mir, ich wähle dann für Sie. na?

(So geht’s! Anm.d.Red.)

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

schlafes schwester lullaby

 

sprache spricht auch wenn wir schlafen wispert uns zu raunt ungehörtes

musssoseinsagtsie

noch durch die vergessensten gehirngänge

windet sie sich

ichwilldasnicht

wo doch der mond

unerbittlich hell go to hell so hell

ich würde gerne schschschsch ich darf nicht ich muss

nur nichts als immer

sprache

sprache

verwaist beinahe

unterwegs in engen gassen unerhört

drückt sich in hauseingänge schleicht

durch flure tröpfelt an vorzimmertüren entlang lungert

herum im wartebereich leckt

plastikstühle ab aus langeweile

schmeckt reste weiblicher sitzfeuchte

atmet ———————– durch meinen in meinen

nachtschwarzen saustall hinein
(zwingt mich zu: nacht + schwarz)

(siehe auch: zu: mond + hell go to hell)

also: durch den nachtschwarzen saustall meiner wüsten bilder schießen da

plötzlich < verboteneswort <ichwilldasnicht!

kataraktartig versatzstücke aus wortbruchbaustellen und

übernehmen kurzerhand die bildregie

furchen bahnwitzig zwischen adverbiallosen acryllacken und hirnlosen lösungsmitteln herum (lösung!

los-er-end-, ja, was nun, lösung? mittel? bist du eins? hast du eins? zur lösung?)

 

ich würde gerne schschschsch ich darf nicht ich muss

nur nichts als immer

sprache

schlafdurchlöchert wachliegend ich

spricht sie mich un ent wegt an

 

(mögliches happy end ((eine erfindung von ausgeschlafenen)):

den pinsel getränkt IN BLACK

weg ist der mond)