Archiv der Kategorie: Anja Koemstedt: Nachtschattennotizen im Tagwald

Nachtschattennotizen im Tagwald

totalausfall in quakenbrück

verdienstausfall unterrichtsausfall handballturnierausfall
ausstellungsausfall lesungsausfall
anstandsregelausfall abstandsregelausfall
gesundheitsausfall abschiebestoppausfall klimaschutzausfall
friedensausfall haarausfall (kriegsausfall: nein)
geburtstagsausfall hochzeitsausfall leichenschmausausfall
gedächtnisausfall wortfindungsausfall textausfall 
phantasieausfall empathieausfall
auffahrunfall wegen gesichtsfeldausfall (maskenbedingtem)
silvesterausfall 

und gestern dann vor dem quakenbrücker rathaus: auch ich

ich wurde so ausfällig, dass mich zwei der anwesenden polizisten
in gewahrsam nehmen mussten – zum schutz meines eigentlich 
sehr netten hippie-nachbarn aus dem dritten stock, den ich auf
einer querdenkerdemo gesichtet hatte – vergleiche hierzu gerne
und unbedingt: 

https://www.der-postillon.com/2020/11/querlenker.html

tzzzzzzzzzzzzzzzzsicherung durchgebrannt
ist ja auch sonst nichts los in quakenbrück
nur hin und wieder ein stromausfall 
die edv im umspannwerk hat immer noch kein 
virenschutzprogramm

stille nacht: kannst kommen

Nachtschattennotizen im Tagwald

DT reloaded

eigentlich glaube ich nicht an übersinnliches
höchstens vielleicht, ganz vielleicht an die kraft von mantras
der irre aus übersee tut das auch er ernährt sich sogar von ihnen
mantras zum frühstück zu mittag und zu abend 
er füttert FOX NEWS und PROUD BOYS am liebsten all great americans damit UND 
es zeigt wirkung people want to believe

auch ich will glauben: exorzismus wäre eine saubere sache 
ein voodoolehrgang muss her 

seit ihm an der macht: schlafstörungen / miles to go before I sleep /
er steht am wegesrand / bleckt grinsend seine gelben zähne / haut sie in meine träume /
pflanzt ihnen mahre und nachtalben ein

ich versuche ihn zu bannen und spreche seinen namen nicht mehr aus

immer noch nacht / kann doch nicht aufhören mich zu fragen: 
how dares he so schamlos zu sein vom scheitel bis zur sohle
schmerzgrenzenfrei schmerzgrenzen niedertrampelnd 
(uggliest scheitel ever by the way achten Sie mal auf anderer leute scheitel 
Sie werden keinen abwegigeren finden als den seinen 
der ganze typ ein einziger abweg)

SO HERE WE GO:

ich wünsche mir das trumpeltier wär weg mit haut UND HAAR
ich wünsche mir das trumpeltier wär weg mit haut UND HAAR
ich wünsche mir das trumpeltierwär weg mit haut UND HAAR
ich wünsche mir das trumpeltierwär weg mit haut UND HAAR
ich wünsche mir das trumpeltierwär weg mit haut UND HAAR
ich wünsche mir das trumpeltierwär weg mit haut UND HAAR
ich wünsche mir das trumpeltierwär weg mit haut UND HAAR
ich wünsche mir das trumpeltierwär weg mit haut UND HAAR
ich wünsche mir das trumpeltierwär weg mit haut UND HAAR
ich wünsche mir das trumpeltierwär weg mit haut UND HAAR
ich wünsche mir das trumpeltierwär weg mit haut UND HAAR
ich wünsche mir das trumpeltierwär weg mit haut UND HAAR
ich wünsche mir das
ui! 
Sie sahen: Der unaufhaltsame Aufstieg des 

PS wir bräuchten dringend Ihren DÄMONENRÄUMDIENST, Marcel Beyer 
(oder zumindest mit breiten schaufelladern den schnee von gestern in die
straßengräben schieben und dort schwarz werden lassen)

Nachtschattennotizen im Tagwald

alphabettínischer schreibverkehr 

jüngst arrangierten wir uns mit einer
coronaverkehrten burgetikette
(burgerkette? zugbrückenkette?)

wir tagten auf einer burg lauter nette
autorinnen aus berlin 
und verkehrten die welt in unseren texten
so wie sie uns jeweils gefällt

wir dachten uns aus unter unseren masken
eine schnellstmögliche coronaminimierung 
durch bestmögliche coronamation
dank ableitung aller ansteigenden zahlen in
die coronalisation

wegen dann einsetzender wortfindungsstörungen 
ausgelöst durch einen anhaltenden burgmuseumsalarm 
stand plötzlich korana im raum, keine wusste, wie sie 
hineingelangen konnte zu uns in unser luftiges krähennest
im burgfried, ganz oben

(von dort hörten wir aufgrund des lüftungsgebots, der offenen fenster
besonders eindrücklich das zugbrückenkettenrasseln im ganzen land)

Nachtschattennotizen im Tagwald

wenn mond, dann liebe

jetzt hing er wieder solo rum. mehr noch: durch.
verhangene stimmung in seinen entrückten sphären.
nur noch die hälfte seiner selbst.
allein allein. alleiner geht nicht.

„cuando luna, amore…“ in dauerschleife. 
ging nicht mehr aus seinem kopf.
eine melodie dazu wusste er auch.

anubis hieß er. bei den wolken, oder?
fünf jahre latein, von totengöttern aber wenig ahnung.
hauptsache mond, anubis hatte das von anfang an so gewollt.
ob voll ob halb ob sichel, hauptsache mond war anubis‘ bedingung.

er hatte es nicht hinterfragt. 
„cuando luna, amore…“ 
immer nur dieser teil eines, wie er meinte, liedrefrains,
seit wochen schon, immer nur „cuando luna, amore…“.

mehr text fiel ihm partout nicht ein.
gab es dieses lied überhaupt?