Archiv der Kategorie: Anja Koemstedt: Notizen aus dem Papierkorb

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

 

augen auf schlag

early morning yawning

blechlawinen bling bling

supermarket ding ding

bankenschlachten kling kling

arbeitwollnse xing xing

auch geier reihern (boring)

auch geier reihern (boring)

china schießt auf ming ming

toter vogel sing sing

ditschmecktnicht : ( chicken wing wing

onlineterror ring ring

schiri kennst du king king

boah!diemerkel! ping ping

bordertrump please: ging ging

god is only surfing

god is only surfing

god is only surfing

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

VON REIZENDEN WOrten

die allüberall-anwesenheit des wörtchens slot

schon bemerkt?

sagen Sie auch schon SLOT

und hauen es so zungenschlagartig raus

als sehr entschiedene person die Sie somit vorgeben zu sein

 

schon steht der slot in einer sprechblase

knallig in neonleuchtschrift (wär gar nicht nötig)

im raum

 

ich finde meinen slot nicht hat eigentlich jeder einen slot

alle welt slottet hast du deine manusskriptabgabe erfolgreich eingeslottet

der brummifahrer der großspedition nebenan jammert

gestern keinen slot mehr bekommen zu haben am hamburger hafen

um seine ladung zu löschen

slotten um zu löschen ist das maybe der trick an der sache

der das slotten so sexy macht

 

gestern habe ich mich verslottet

als chronisch zu-späte jedoch normal für mich

meinen slot

zu verfehlen aber auch du führst ein slotterleben

bei deinen vielen slots in der woche bist auch du manchmal daneben

 

nicht jeder slot ein treffer ins schwarze (loch der zeit. nein. zu slottig. fällt jetzt hier

in my own personal slot – – -)

 

so knackig PENG haut der kleine slot alle anderen

terminlich ungenauen zeitfensterbegrifflichkeiten aus der kurve

slottet sie einfach um

 

ein zeitRAUMkonstrukt ist so ein slot oder

oder wie kam es

dass ich gestern mitten im text in eine tiefe slotspalte stürzte

ohne helm am schreibtisch zu sitzen kann tödlich enden

ab heute wegen slotgefahr trage ich ihn mit demut

 

eine frühe slot-fundstelle datiert bereits vor über sieben jahren

sehr unerwartet im herrndorf–blog (eintrag vom 21.9.2010 12:35 Uhr http://www.wolfgang-herrndorf.de/2010/09/acht/)

auch der hat also schon zu slotten gewusst

 

Uwe hat die ersten zwanzig Kapitel durchgeschaut und Rowohlt informiert. Man könnte einen Slot zwischen Sommer und Herbst freihalten.

 

soll ich Ihnen ein platz auf der bank neben mir freihalten

die sonne scheint grad so schön ach so ein herrlicher slot heute

 

hey erfinde wer bittschön einen slotty-robotty der packe mir

ZISCH all meine virtuellen fußabdrücke in den finalen datenslot

den fahr ich dann eigenhändig zum hamburger hafen

slot bot slot the data

 

eine ganz private eigene datenschublade (abschließbar)

oder heißt das jetzt data slot

fehlt mir noch in meinem schreibtisch

wie verstauen Sie eigentlich Ihre daten?

fragen Sie doch einfach Ihren chef oder datenslotter oder lesen Sie die datenumschau

 

 

PS

daten über daten über daten

ein kwaatschiges wort im vergleich zum slot

ein surfen auf grüner götterspeise

eine wabbelige angelegenheit

quellen kühl zwischen den fingern hindurch und schmatzen dabei leise die daten

(ab in den slot)

PPS

kaum tummelt man sich im netz zwitschern einem die daten ab

versammeln sich zum beispiel gern unter hashtags

die ergeben zusammen huch! einen jägerzaun

tummeln wir uns also wohlgehütet hinter jägerzäunen

mit firewalls

des milden lächelns unserer datengötter gewiss

oder ich mache für heute feierabend und richte mich gemütlich ein

in meinem verbleibenden mittwochsslot

man lernt ja nie aus

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

1 hallo, können Sie mir helfen? ich finde meinen inneren wahlomat nicht mehr!
2 ach, fragen Sie doch den freundlichen schutzmann an der ecke!

1 ich nochmal, sagen Sie, darf ich, ohne zu wissen, was ich vekaufen will, einen laden eröffnen?

2 mensch, lesen Sie doch einfach kant, kritik der reinen vernunft. da steht’s.
gedanken ohne inhalt: leer. anschauungen ohne begriffe: blind.

1 äh, also, darf ich?

2 hey: überprüfen Sie doch erstmal Ihre möglichkeiten der erkenntnisfindung ohne verwendung der erfahrung!

1 Sie meinen: backen ohne mehl?

2 ich meine: Sie haben ja keine ahnung, worauf es ankommt!

1 aber Sie!?

2 aber ja! (Beruf: Geldspiel-Automaten-Aufsteller-König von Deutschland.
Anm.d.Red.)

1 also, auch wenn ich Sie nerve, aber, darf ich denn jetzt wählen gehen, ohne zu wissen, wen?

2 na, im zweifel denken Sie einfach mit Ihrem knie. tut keinem weh, haha. oder werfen Sie ne münze. oder geben Sie die münze mir, ich wähle dann für Sie. na?

(So geht’s! Anm.d.Red.)

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

schlafes schwester lullaby

 

sprache spricht auch wenn wir schlafen wispert uns zu raunt ungehörtes

musssoseinsagtsie

noch durch die vergessensten gehirngänge

windet sie sich

ichwilldasnicht

wo doch der mond

unerbittlich hell go to hell so hell

ich würde gerne schschschsch ich darf nicht ich muss

nur nichts als immer

sprache

sprache

verwaist beinahe

unterwegs in engen gassen unerhört

drückt sich in hauseingänge schleicht

durch flure tröpfelt an vorzimmertüren entlang lungert

herum im wartebereich leckt

plastikstühle ab aus langeweile

schmeckt reste weiblicher sitzfeuchte

atmet ———————– durch meinen in meinen

nachtschwarzen saustall hinein
(zwingt mich zu: nacht + schwarz)

(siehe auch: zu: mond + hell go to hell)

also: durch den nachtschwarzen saustall meiner wüsten bilder schießen da

plötzlich < verboteneswort <ichwilldasnicht!

kataraktartig versatzstücke aus wortbruchbaustellen und

übernehmen kurzerhand die bildregie

furchen bahnwitzig zwischen adverbiallosen acryllacken und hirnlosen lösungsmitteln herum (lösung!

los-er-end-, ja, was nun, lösung? mittel? bist du eins? hast du eins? zur lösung?)

 

ich würde gerne schschschsch ich darf nicht ich muss

nur nichts als immer

sprache

schlafdurchlöchert wachliegend ich

spricht sie mich un ent wegt an

 

(mögliches happy end ((eine erfindung von ausgeschlafenen)):

den pinsel getränkt IN BLACK

weg ist der mond)

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

UNTER EIHEILIGEN

die ölheizung wärmt Sie schön!

wie sieht es aus mit langen/dunklen kanälen, auch was für Sie?

oder doch schlicht die holzklasse? hart aber hell. und zweisprachig.

da beißt die maus kein kabel durch.

 

ich selbst bevorzuge immer endliches.

durchaus körpertemperiert. aber bitte ohne kuschelfaktor.

denken Sie an eine badewanne, von mir aus.

heiß, voll, aber ohne stöpsel, alles fließt. kein stillstand.

sagen Sie NEIN zur insel, halten Sie sich offen, bleiben Sie

durchlässig für alles fossile, wir haben sonst nichts in der hinterhand.

 

außer vielleicht: ein ei.  ein ei hat ja jeder.

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

 

 

 

ODER „vielleicht lese ich das falsche?“

werschinin in „die drei schwestern“

 

ODER „ich lüg’ gans gern, wenn ich zeit hab’:
die wahrheit iss so was gewöhnliches, nich?“

arno schmidt, irgendwo

 

ODER „da is der wurm drin, da is der wurm drin“

bayerisches gstanzl aus’m radio in den 70ern

und ich sang laut mit: „meister wurmring meister wurmring“

rätselhaftester text meiner kindheit

 

ODER alles fiktion einfach alles

fiktion alternative fakten fake

 

ODER allein im kino nichts anschauen

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

eigentlich glaube ich nicht an übersinnliches
höchstens vielleicht, ganz vielleicht an die kraft von mantras
beim joggen klappt das ganz gut

ich laufe weiter ich laufe weiter ich laufe weiter ich laufe weiter ich laufe weiter

und stehe – sieh an sieh an – plötzlich vor meiner haustür
oder nachts im bett, ruhelos und voller wilder gedanken

ich schlafe ein ich schlafe ein ich schlafe ein ich schlafe ein ich schlafe ein

und wache – schau her schau her – plötzlich am nächsten morgen auf

na also!
dann geht auch dieses eine hier noch

bildschirmfoto-2017-01-21-um-22-39-06

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ui!

Sie sahen: Der unaufhaltsame Aufstieg des

Anja Koemstedt: Frisch gefischt. Notizen aus dem Papierkorb

 

ShrigleySpider

 

 

vollkornmond

 

ich esse weißmehl seit ich denken kann°

ich sterbe lieber einen ungesunden tod°

das erscheint mir wesentlich natürlicher°

 

am himmel lacht keine biosonne°

unter der brücke fließt kein ökostrom°

im stall picken hühner nicht auf vollkorn herum°

oder° wer weiß sowas° verdammt bin ich verstädtert°

 

dagegen dionysisch zu rauschen mitten im zeitenfluss dem hier das jetzt zu entreißen°

ist meine kunst°

ist keine kunst die gilt unter veganem vollkornmond°

Anja Koemstedt: Notizen aus dem Papierkorb

robots

drawing by david shrigley (in: Süddeutsche Zeitung Magazin 15.11.13)

 

 

ausgesoffen

 

wo einst der reine abgrund    jetzt    ein skywalk gegen langeweile

du großer unnützer canyon du

 

wo heute st. petersburg noch bodennah bebaut wird eine gasflamme aus stahl

ein denkmal sein ein denkmal sein ein denkmal sein ein großkonzern

vierhundert höhenmeter weggebrannter himmel merkt kein mensch

 

wo morgen hier gesünder trinken an der türe steht und

drinnen junge frauen geruchsneutrale socken stricken bei

yogitee mit zuckerfrei und lightbeer-lemon-flavoured und

slipper-träger mit zartem vollbart gepflegt an ingwer-limonade nippen

 

passiert es auch einem lamm wie mir mitunter

dass ihm das messer im sack aufspringt

in die faust ihm (beinah) wandert

und (fast) hastenichtgesehn dem nächstbesten

den pulsschlag kappt

(hängt an seidenem faden ohnedem)

bis der rote saft nur so spritzt auf’s fell

aaaaaaahhh

 

jetzt dem ruf der stammkneipe folgen

(verraucht und gut besucht von anderen lämmern. auch von schafen)

um das leben einfach auszutrinken

 

dann geht’s schon wieder

Frisch gefischt. Notizen aus dem Papierkorb.

neue seite, anderer tag, irgendwo: in der pampa, zwischen berlin und bielefeld, wintertag 2016

kühe halten ihre köpfe über schneebedecktes, gefrorenes gras gebeugt, das ist mir neu.

Ich weiß nicht, was das zu bedeuten hat. Was sie da tun.

Warum mir das rechtschreibprogramm je am satzanfang dazwischenfunkt, weiß ich auch nicht, hatte es gerade ausgeschaltet. Es – da! – besteht auf großschreibung, sehr korrekt, jetzt stört das meinen schreibfluss zwar nicht, aber die fließbewegung der augen, dieses stolpern immer über die unebenheit, ja das hindernis, das hinter jedem punkt lauert, muss das sein, das ist: überflüssig, ich will eine gleichmäßige, ununterbrochene bewegung des blicks und somit der gedanken, beim lesen wie beim schreiben, um möglichst gleichauf mit der denk- und wahrnehmunsbewegung zu sein. Nur – da! -, nur die kommas kann ich nicht weglassen, das luftholen, absetzen der gedankenschwere scheint in kurzen abständen nötig, unerlässlich, ein kleines strichlein dort unten am fußende der wörter hilft, kein stolperstein, sondern der taktstock, so bleibt auch der klang im spiel der wörter mit dem geist nicht nur erhalten, sondern auch zu sehen, das visuelle wird wie immer viel zu wenig bedacht – gerade in dieser bildgefluteten weltentrücktheit aller.

Wären ach wären maschinen autonome wesenheiten, oh wären sie doch.

Dann wäre die grenze klar.

Trennlinie. Demarkationslinie.

Hier mensch. Dort maschine.

Ich mensch. Du da, hinter dem bildschirm irgendwo, maschine.

Die so wir anders.

Die anders wir so.

Hallo maschinenautomatismen, muss es sein dass ihr immer denkt ihr würdet uns arbeit abnehmen indem ihr in eurer grenzenlosen fürsorglichkeit alles fortführt so wie wir zuletzt geendet haben stupid stumpf format beibehalten – so lange kein anderer befehl folgt. Bemutterungselektronik, sch… auf BBBBBBBemutterung, sch… auf GGGGGGroßschreibung am satzanfang. Macht meine bemutterungselektronik aber einfach. Hab ich schon immer gehasst, bemuttert zu werden.

Das wollte ich eigentlich sagen, statt eines statements zu mutterfragen:

Ich sollte woanders hinfahren, oder einfach weiter, länger jedenfalls, um den schreibfluss am leben zu erhalten, aber bielefeld naht, das außen greift wieder ein ins innere, nie ist ihm gänzlich zu entkommen, wir sind so jämmerlich bedingt trotz allen geistes. Es bleibt mir zu tippen mit kleinem kuh-K am anfang:

Kühe halten ihre köpfe über schneebedecktes, gefrorenes gras gebeugt, das ist mir neu.