Archiv der Kategorie: Maja Linthe: On the road with Élouise – reloaded

Maja Linthe: On the road with Élouise reloaded – 8: Elouise trifft Babsi, das europäische Minischwein

Élouise hat Babsi getroffen, ein europäisches Minischwein mit deutschem Namen, das in der Provence lebt, bei Uta. Uta ist früher in meine Klasse gegangen – oder ich in ihre. Babsi hört, wenn Uta sie ruft, liegt im Winter vor dem Kamin und im Sommer auf dem Küchenfußboden herum. Ihre Tage verbringt sie bei den Hühnern, deren Namen ich mir nicht alle gemerkt habe.

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Maja Linthe: A Post for a Song

Manchmal ein Post von dir über Whatsapp, zynisch meist und verschwurbelt. Da bleibst du ihm treu. Den Link hast du mir geschickt zu dem Song und der Geschichte dahinter. Well I’ll be damned, here comes your ghost again… Und es ist nicht so recht klar, wer von uns den Geist gibt, und zur Madonna tauge ich nicht, denn, wie du weißt, war ich schon immer besser darin, geliebt zu werden, als darin zu lieben.

In unserem besetzten Institut in Berlin sang ich während des Unistreiks, war blöde aufgeregt, so wie immer. Ich wollte manchmal wie Melanie klingen, manchmal wie Nina Hagen, was mir nicht gelang. In der alten Lederjacke, die Gitarre über der Schulter, bin ich aus dem Fenster geklettert, um artig zur Arbeit zu gehen. Du nanntest mich den weiblichen Bob Dylan, aber ich stand mehr auf Joan Baez. Sie hatte dieses Konzert in der Waldbühne mit Bettina Wegner gegeben, die sich vor lauter Schüchternheit kaum auf die Bühne traute. Das war mehr meine Welt. Während du bei den Rolling Stones schriest und natürlich Bob Dylan verehrtest, versuchtest, so auszusehen wie er, dich selbst so fotografiertest. Trotzdem gefiel mir, was du sagtest zu mir, und auch ich habe mich von da an gerne durch deine Augen gesehen und durch deine Kamera.

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Maja Linthe: #Wochenendewanderspaß

Da oben ist daneben

Da drüber ist da drunter

Ist droben hoch im Tümpelteich

Ist Wasserwipfel wellenweich

Ist Entenflott an Dornenspitz

Ist Entengrütz‘ mit Rankenritz

Ist Himmeltief mit Siebengrün

Im Weiherwald mit Tausendschün

Ist Blätterbad mit Knospenknack

Im Sphärenrausch mit Entenkack

Ist Wochenendewanderspaß

Mit oben offen, unten nass

Ist Baum im Teich, Teich in der Wiese

und alles ohne Élouise.

Maja Linthe: On the road with Élouise reloaded – 7

Ich löse mich von meinem Hintergrund, in dem ich manchmal verschwinde, steige mühsam und steif aus meiner Kachel heraus. Ich will hinaus in die Natur, will spazieren gehen wie alle. Ob die Natur schon genervt ist von uns? Élouise wartet am vereinbarten Treffpunkt nur auf mich, grinst mich an zur Begrüßung. Beim Loslaufen freue ich mich über ihren wackelnden Schafsfellhintern, denke an die leere Kachel zu Hause. Ab und an mache ich Fotos, die ich mir später als Hintergrund auf die Plattform stelle, zur Erinnerung an die Orte hier draußen. Ich vermisse es, Orte zu teilen mit Freunden, mit Kolleginnen, das Café, das Restaurant, das Theater. Selbst die Mensa vermisse ich, den Espresso, der gar nicht so gut war.

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Maja Linthe: On the road with Élouise reloaded – 6

Während ich mit Élouise durch die Stadt lief, hörte ich Musik und tippte von Zeit zu Zeit in den Rhythmus unserer Schritte und in mein Smartphone hinein meinen Text. Vor der Sammlung Prinzhorn hielten wir an, spähten durch die Scheibe und unser Spiegelbild ins geschlossene Museum. Ich reichte Élouise den rechten Knopf meiner Kopfhörer und gemeinsam hörten wir die Zeile des Refrains: „Don‘t look away, it will be gone.“ Also wandten wir den Blick nicht ab, sondern blieben stehen und ich notierte mir die Liedzeile, so gut es ging, blind.

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Maja Linthe: On the road with Élouise reloaded – 5

Élouise und ich spazierten zu zweit durch das Feld mit Platz zwischen uns für eine unsichtbare Dritte. Noch vor Anbruch der Sperrstunde wollten wir in der Dunkelheit die Unsichtbare nach Hause geleiten, wo immer das sei. Wir begegneten anderen spazierenden Paaren mit unsichtbaren Dritten in ihren Mitten, liefen in großen Bögen umeinander herum.

Mitten im Handschuhsheimer Feld lag ein Kaffeehäuschen, das schon länger im Lockdown war. Das große Fenster, durch das man einst Cappuccino hinausgereicht hatte oder Espresso Macchiato, war schon lange geschlossen, hatte kunstvoll Patina angesetzt, nach Graffiti-Art.

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Maja Linthe: On the road with Élouise reloaded – 4

Élouise und ich liefen durch den Herbst-Wald zum Heidelberger Bergfriedhof und sie galoppierte vorne weg, vollführte Freudensprünge, so als hätte man sie nach zwei Wochen aus der Quarantäne entlassen. Nachdem wir das schwere, kunstvoll geschmiedete Friedhofstor aufgeschoben und uns hindurchgeschoben hatten, stiegen wir vorsichtig die Treppe hinunter, liefen ruhiger, versuchten es respektvoll zu tun, respektvolles Laufen für die, deren Namen die Steine trugen um uns herum.

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Maja Linthe: Eine Lesung ohne Élouise

 

Lesung auf dem Heidelberger Literaturherbst für die Bücherfrauen Rhein-Neckar mit Life-Drawing von Anna Donska

Am 20. September 2020 habe ich, gemeinsam mit Stefanie Hanel, auf einer Veranstaltung der BücherFrauen Rhein-Neckar zum Heidelberger Literaturherbst gelesen. Mein Dank gilt der Illustratorin Anna Donska, die die Lesung mit einem Life-Drawing begleitete, der Organisatorin Inka Bankwitz und Paula Hanel, von der die Filmaufnahmen stammen. Trotz der strengen Hygieneauflagen war es eine sehr stimmungsvolle Lesung und ich bin sehr froh, dass ich daran teilgenommen habe.

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Maja Linthe: On the road with Élouise – reloaded 3

Wir gingen spazieren, Élouise und ich, auf der Mannheimer Maulbeerinsel, zentrierten auf dem Display den kleinen Pfeil und folgten den blauen Punkten des Wegs. Die Stimme hatten wir stumm geschaltet. So liefen wir über die Insel zwischen Wasser und Erde, Schatten und Licht, bis vor uns mittendrin ein Turm wie ein Stachel im Boden steckte. Maja Linthe: On the road with Élouise – reloaded 3 weiterlesen

Maja Linthe: On the road with Élouise – reloaded 2

Für Emily

Élouise war mit neuem Groove zurückgekehrt und die Waldwand lässig heruntergebouldert. Unten angelangt schaute sie ins Wasser, um sich zu vergewissern und erneut, wie über die Schulter, den Himmel zu sehen. Neben der Fluglinie des Passagierflugzeugs schwamm ein trockenes Blatt, folgte schwimmend dem Flieger.

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