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Marion Boginski: Klein(ich)keiten

Gibt es sie noch?

… die unhöfliche Verkäuferin aus der Mangelwarenzeit.

… mit ihren Worten: Ham wa nich!

Dabei wusste jeder, ham se doch!

Nur unter dem Ladentisch.

Nur nicht für mich.

Die nichts zum Tauschen vorweisen konnte.

Kein Buch gegen Blumen. Kein Fleisch gegen Duschbad. Kein Obst gegen Briefpapier.

19.2.1981 – „Gleich zum Anfang erstmal eine Entschuldigung wegen des karierten Papiers, es gibt nirgendswo in der Stadt Briefpapier …“

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Klein(ich)keiten: Marion Boginski

Empörung

Derdadieda … glasfaserschnell

Derdadieda … unsichtbar versteckt

Derdadieda … hinter Digitalgespenstern …

Derdadieda … Twittergezwitscher …

Derdadieda … eher krähenähnlich als finkengleich

Derdadieda … Glutnestershitstorm

Derdadieda … Hassschaum wie Grimm’scher „Süßer Brei“

Derdadieda … likejubilate

Derdadieda … Hashtagsaufschrei

Derdadieda … Empörung gegen die Empörung … wer schafft es lauter zu sein?

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Marion Boginski „Klein(ich)keiten)

Nachrichten und Nachrichtung

Irans Außenminister warnt Trump in GROSSBUCHSTABEN — Reichsbürgerszene wächst stark und ist militant —- Schusswechsel in Duisburg — Tränengaseinsatz bei Tour de France — Israel schießt syrischen Kampfjet ab —

Seit dem 17. Jahrhundert stand das Wort Nachrichtung für das, wonach man sich zu richten hat.

Später entstand aus Nachrichtung das Wort Nachrichten als Botschaft oder Neuigkeit. Es wird nach berichtet, von dem, was passiert ist. Doch passiert gerade weltmäßig fast nur Unsicheres oder Kriegerisches oder Unverständliches.

Doch weshalb werden überwiegend negative Neuigkeiten berichtet und nur wenig positive? Die man auch noch suchen muss, als wollten sie nicht gefunden werden.

Ich gleite von den Negativzeilen suchend zum Positiven. Und finde nichts, was es wert wäre, gefunden zu werden.

Helene Fischer und ihre Verwandlung — Nachwuchs bei den Reimanns — Martina Hingis hat geheiratet …

Wer bitte braucht diese Informationen?

Ich lasse das Nachrichtenlesen sein. Bleibe uninformiert.

Will mich weder an Wut, Hass, Angst oder Tratsch ausrichten.

Keine Nachrichten und keine Nachrichtung …

Blog Juli

 

 

 

 

Marion Boginski: Klein(ich)keiten

Weihnachtliches Alphabetum

Alle Jahre wieder plötzlich da

Bratapfelduft mit Baumkerzenschein

Cash Cashmerepullover bezahlt

Draußen glüht das Lichtermeer

Eines Jahres am Heiligabend wieder

Flockenwirbelzentimeterhoch

Gänsebratengerippe

Heiligabend aber noch nicht

Immer dieses Warten auf den Weihnachtsmann

Jedes Jahr neu

Kinderaugenlächeln beim Geschenkeaufreißen

Liedersingen bis zur ersten Strophe

Marzipankartoffel als Weihnachtsgemüse

Nichtalleinsein überlebensnotwendig

OmaOpaOnkelbesuch

Passend gemacht Weihnachtskommerz und Christi Geburt

Qual der Geschenkewahl

Rituale – Kartoffelsalat mit Wiener, Ente mit Rotkohl, Nachmittagsspaziergang mit offenem Hosenknopf

Spielen mal wieder Mensch ärgere dich nicht

Tausche Schal gegen Seidenbluse

Umständehalber Hund abzugeben

Vor dem Fest hat fast jeder gute Laune

Weihnachtlicher Geschenketausch von Mann zu Frau zu Oma zu Opa zu Kind und zurück

Xanthippe hat über Weihnachten (Wihenaht – heilige Nächte) Auftrittsverbot

Ysop für die Tage nach dem Schlemmen

Zum Feste nur das Beste – Glück und Liebe und Frieden!

 

Schöne Weihnachten!

 

 

 

 

 

 

 

Marion Boginski: Klein(ich)keiten

Gesucht wird …

Ich verliere oder verlege überaus selten etwas. Vielleicht in zehn Jahren ein Mal.

Aber dann! Aber jetzt!

Vor ein paar Tagen habe ich die blaue Pappmappe im Flur auf dem Schränkchen, später auf dem Schreibtisch gesehen. Aber wo ist sie jetzt?

Ich suche. Ich suche intensiv. Ich räume den Schreibtisch auf und daneben und alle Fächer im Beistellschrank. Nehme Ordner aus dem Regal in die Hand. Alle Ordner. Sicherheitshalber. Vielleicht hat das Unterbewusstsein unbewusst die blaue Mappe in die Sicherheit der Ordner geräumt.

Das Unterbewusstsein hat nicht! Ich frage: Wer hat …  Marion Boginski: Klein(ich)keiten weiterlesen

Klein(ich)keiten: Marion Boginski

Nachbar links

 

Der Nachbar links ist Zimmermann.

Er zimmert.

Immer.

Mit Hörschutz auf den Ohren.

Und besonders an warmen Sommernachmittagen.

Wenn ich dreißig Zentimeter von ihm entfernt auf der Terrasse sitze.

Kreissägekreischen, hämmern, schleifen.

Holz. Metall. Steine.

Späne fliegen auf meine Laptoptastatur.

In mein Haar.

Ich fliehe ins Haus.

Komme ohne Laptop wieder raus.

Rufe: Hallo! Die Späne fliegen bis zu mir!

Oh, Entschuldigung, ich dachte, die fallen woanders hin.

Können Sie eventuell an das Grundstücksende gehen?

Da hängt Wäsche.

Die kann ich abnehmen.

Warmer Sommernachmittag.

Kreischen, hämmern, schleifen.

Hallo, hallo da fliegen …

Ich dachte …

Warmer Sommertag.

Hallo, hallo, hallo …

Ich dachte …

Sommertag.

Er versteht mich nicht, ich werde schreien müssen!

Heute. Jetzt. Sofort.

Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh … Feuer, Feuer, Feuer …

Es brennt, fragt der Nachbar links.

Ja, sage ich, sehr!

 

 

 

Marion Boginski: Klein(ich)keiten

Welche Farbe hat die Nacht?

(Kleine philosophische Frage)

Ist sie schwarz oder grau oder weiß?

Da haben wir das erste Dilemma!

Mit der Farbtheorie von Johannes Itten sind schwarz und grau und weiß keine Farben sondern Nicht-Farben.

Also besteht die Nacht aus Nicht-Farben oder ist nur dunkel oder hell?

Zumindest sind die Weißen Nächte bunt.

Doch verschwinden mit dem Licht rot, gelb, blau und alle Schattierungen dazwischen.

Nachtfoto

Aber waren überhaupt Farben da?

Hier kommt das zweite Dilemma!

Die Zeit ist eine Illusion, meinte Albert Einstein.

Was zu beweisen wäre wie seine „geheimnisvollen Kräuselungen der Raumzeit“, die Gravitationswellen, fast 100 Jahre später.

Kann es sein, dass auch Farben eine Illusion sind?

Dass sie nicht in der Welt existieren, sondern nur in unserem Geist?

Fanden zumindest der Londoner Philosoph und Arzt John Locke und der irische Bischof George Berkeley im 17. Jahrhundert.

Farbe ist nicht da, entsteht nur im Moment des Sehens. Eine Wahrnehmung zwischen Auge und Gehirn.

Und ist so komplex, dass es sich bis heute niemand wirklich erklären kann.

Ist nun die Nachtfarblosigkeit die wahre Wirklichkeit? Und ist Zeitlosigkeit die wahre Wirklichkeit?

Existieren sie nur in unserer Wahrnehmung?

Die Buddhisten gehen noch weiter. Sagen die ganze Wirklichkeit selbst ist eine Illusion.

Was zu beweisen wäre. Die Zeitillusion, die Farbillusion und die Wirklichkeitsillusion.

Vielleicht 100 oder 200 oder 500 oder 1000 Jahre später.

Bis dahin sehe ich die Nacht dunkel oder hell.

Wolkendunkel, winterdunkel, monddunkel …

Sternenhell, gewitterhell, schneehell …

Und weiß nur, dass ich nichts weiß!