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Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Was ist denn jetzt mit den Geschichten?

Warum fragt das niemand?
Wo die Kinder herkommen, wollen die Kinder wissen, aber dass die Geschichten da sind, nehmen sie einfach hin, brauchen keinen Klapperstorch dafür. Schlagen die Bücher auf und sehen die Bilder an, lassen sich vorlesen und lesen selbst, später, wenn der Klapperstorch schon fortgeflogen ist aus ihren Köpfen, dem anderen gewichen, dieser Realität, von der die Wissenschaft nicht weiß, ob sie Teilchen ist oder Welle.

Na, Teilchen ja wohl, jedenfalls wenn man sie anfassen kann. Geiles Teil, sagen die Kinder, wenn sie keine Kinder mehr sind und das neue neueste allerneueste Smartphone haben wollen, geiles Teil und nicht geile Welle. Und dann laden sie sich die Geschichten herunter, am besten für lau, und noch immer fragen sie nicht, wo kommen sie denn her, die Helden und die Lieblinge, die Männer und Frauen und Kobolde, mit denen sie fiebern, die Monster und Geister und Psychopathen. Oder Psychopathinnen, o ja, die gibt es auch.

Jedenfalls lesen sie weiter, blättern um und können ES nicht aus der Hand legen, das Buch. Oder sie wischen auf dem Teil und werden dabei geil, und das kann folgen haben, je nach Konstellation. So lesen sie bald den eigenen Kindern vor, bald den Enkeln, stellen mit den Jahren die Schrift größer und größer und fragen noch immer nicht, wo kommen sie her, die Geschichten.

Buchen eine Flatrate in der Bibliothek oder in diesem Netz, in dem sie sich längst verfangen haben, lesen nur noch Anfänge. Ende ist eh nicht so toll, aufs Ende marschieren sie selber zu, und kurz bevor es so weit ist, liest ihnen hoffentlich wieder jemand vor an ihrem Bett aus einem Buch. Alles andere wird vergessen, nur die Geschichten nicht. Schließlich ist es vorbei und sie legen das geile Teil aus der Hand und werden Welle.

Nehmen die Geschichten mit.
Und niemand weiß, wohin.

Klein(ich)keiten

(Sorry, hier sollte jetzt ein Video stehen, aber entweder wurde der Dateityp nicht unterstützt oder der Film war zu kurz, deshalb ist nur ein Foto von der letzten Sequenz des singenden und tanzenden Schneemanns zu sehen.)

Bald nun ist Geschenkezeit …

… mal wieder! Hatten wir die nicht gerade?
Ach nein, war der Geburtstag von Oma/Opa/Mama/Papa/Kind 1/Kind 2/Kind 3/Freund/Freundin …

Auf die Idee an Geburtstagen Blumen zu verschenken, soll eine clevere Floristin gekommen sein. Auf die Idee am Valentinstag Blumen und Süßigkeiten zu überreichen, ist wer gekommen? Auf die Idee zu Ostern Naschereien und kleine Geschenke zu verstecken, am Muttertag Blumen zu verschenken, zu Weihnachten Schokoladenweihnachtsmänner und Geschenke, viele Geschenke, zu viele, hat sich bitte wer ausgedacht?

Der Weihnachtsmann soll eine Erfindung von Coca Cola sein. Halloween eine Erfindung der Kelten oder der Iren und dann über Amerika um die Welt gewandert.
Das Halloween-Fest ließ vor ein paar Wochen gerade wieder kleine verkleidete Monster an Türen klingeln und um Süßigkeiten betteln: Gib mir Süßes, sonst gibt es Saures! Zahnpasta und Toilettenpapier an Türklinken.

Und nun wieder Weihnachten. War nicht gerade der 24.12.? Ist schon 360 Tage her? Kann nicht sein!
Sie/er/ich begeben sich also erneut in den Geschenkeeinkaufstrubel. Rolltreppe hoch und höher. Türen öffnen sich und schließen. Laptop klappt auf und zu.
Was wollen er/sie/ich kaufen für Oma/Opa/Mama/Papa/Kind1/Kind2/Kind3/Freundin/Freund. Kinder wissen immer, was man ihnen schenken kann, eine lange Liste gezeichnet und geschrieben. Eigentlich brauche ich nichts, sagen dagegen sie/er/ich. Und freuen sich doch, wenn sie ein Geschenk bekommen oder auch zwei oder …
Also Rolltreppe hoch und mal schauen, was für ihren/seinen/meinen Geldbeutel passt oder passen könnte. Bücher passen immer.

Ein Buch für Oma/Opa/Mama/Papa/Kind1/Kind2/Kind3/Freund/Freundin …
Halt! Opa liest gerade nicht, seine Augen, sagt er zu ihr/ihm/mir.
Oma hat noch das Buch vom letzten Weihnachten und Geburtstag auf dem Nachtisch liegen.
Mama und Papa kommen wegen Kind1/Kind2/Kind3 nicht zum Ins-Buch-schauen. Aber sie/er/ich könnten trotzdem eines verschenken zum Späterlesen.
Dazu gibt es Bücher für die Kinder, denken sie/er/ich. Außerdem etwas von den Kinderzetteln, die lang und länger sind. Sie/er/ich können sich etwas aussuchen, was passt, was kindsmäßig und geldmäßig passt.

Die Füße sind mittlerweile lahm, der Laptop heiß gelaufen und was schenkt man nun den Erwachsenen, denken sie/er/ich. Und haben eine Idee. Sie/er/ich schenken sich und anderen eine ruhige und entspannte Adventszeit. Kaufen keine weiteren Geschenke. Sie/er/ich freuen sich über die gewonnene Zeit, freuen sich auf das Nicht-einpacken-müssen. Freuen sich über fehlende Geschenkpapierberge hinterher. Denken sie/er/ich. Hoffen sie/er/ich.
Und laufen in Geschäfte und fahren bis zum Heiligabend Rolltreppen rauf und runter und klappen den Laptop auf und zu und denken: Vielleicht eine Idee für das nächste Jahr. Oder übernächste. Schön wäre es schon. Ein Weihnachten nur mit Gaben für die Kinder. Alle anderen schenken sich eine stressfreie Zeit und entspannte Gesichter am Heiligabend.
Möge es ihr/ihm/mir nicht so ergehen wie dem Schneemann im Video/Foto!
Merry Christmas!