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Postkarte aus dem KINDHEITSLAND

Als ich ein Kind war, fiel der Schnee in dicken Flocken. Mit weißen Tüchern deckte er die Fensterbretter zu, den Hof und das ganz Dorf. Wir rodelten. Die Großen schnallten die Skier unter. Wir bauten Schneemänner und lernten das Gedicht von den hungrigen Vögeln im Winter. „Buntspecht, komm nach vurn. Buntspecht, hier ist dein Wurm. Und besten Dank für die Arbeit.“

Einmal fiel der Schnee und fiel und fiel und hörte gar nicht mehr auf zu fallen. Die Großen nahmen die Schaufeln und schaufelten Gänge vom Haus zur Straße und vom Haus zum Holzschuppen und vom Haus zu den Hühnerställen. Wir formten Ziegel aus dem Schnee und bauten mitten im Garten einen Iglu. Nur ich konnte darin aufrecht stehen.

Postkarte aus Diensdorf-Radlow

Ich bin kein Stück voran gekommen.
Wasser, Spiegelungen. Immer gleich, egal an welchem Ort.

Aber ich weiß jetzt, auf wen ich warte. Auf Undine. Sie hat uns was zu sagen. Jetzt. Sie kann überall aus dem Wasser steigen. Die Meere dieser Welt sind miteinander verbunden. Das Märkische Meer mit dem Mittelmeer, mit der Ostsee, mit dem Pazifik.

Ich warte und schweige. Es raschelt im Schilf.