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Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Mitgemeint

Verborgen in den Tiefen der sprachlichen Gewohnheit, spüre ich die Sehnsucht nach dem explizit Weiblichen, das in seiner ureigenen Form leider selten zu finden ist, in der Regel verschwiegen und auch sonst viel zu häufig beiseitegeschoben, allein dort plakativ ins Bewusstsein gerückt, wo es ziemlich nackt dasteht.

Seit jeher. Ist das so. Zwar will unsere Gegenwart längst eine andere sein, doch das andere wird laut Duden nun einmal bevorzugt kleingeschrieben, während das Weitere immer groß daherkommt und deshalb seinen Platz verteidigt gegen jeden Widerspruch, der kein Schon- wieder-Spruch ist. So bleibt die Kundin auch zukünftig ein Kunde für die Bank, die sich die Frau wohl gar nicht vorstellen kann, wenn es ums Geld geht oder ums Vermögen in diesem brüderlichen Vaterland, das sich auch nicht neu denken lassen will.

Und dann höre ich folgenden Dialog:
Kind: Wofür ist denn das Geld hier in der Schale?
Mutmaßliche Mutter: Für die Putzfrau.
Zu diesem Zeitpunkt ist weit und breit kein Mensch zu sehen, der oder die zum Reinigungspersonal gehören könnte, und doch ist das generische Maskulinum ganz schnell und selbstverständlich von der Bildfläche verschwunden, hat sich aus dem Staub gemacht und verlangt nach keinem Richter und auch nach keiner Richterin, es zum Maß aller Dinge zu erheben. Dem Kind werden die wenigen Münzen als kümmerlicher Lohn erscheinen. Na ja, für solchen braucht’s ja dann auch keine Bank.