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Der kurze Traum vom Sommer

Ricarda de Haas

Manchmal träumt man ja völlig bekloppt. Wirr, bunt. Als wäre man in ein Wimmelbild gepurzelt.

Japanische Familien picknicken unter rosa Kirschbäumen. Junge Mädchen in weißen Kleidern drehen sich unter fallenden Blüten, die schwarzen Haare fliegen. Ihre Freunde fangen ihre Bilder mit dem Handy.

Am Spreeufer lassen Leute die Beine baumeln, nackte Waden neben Plateaustiefeln neben bunten Söckchen, eine nicht endende Reihe. Wenn ein Schiff kommt, gehen alle Füße hoch.

Leute, die auf rohen Steinblöcken sitzen. Mitten drin eine Rockband, coole Jungs 60plus, gestreifte Hosen, Stirnband im Haar. Sie sind gut, nur das Schlagzeug ist aus dem Rhythmus. Der Song ist zu Ende, die Trommeln nicht. Gegenüber steht eine Sambagruppe im Kreis. Als die Band wieder loslegt, trommeln sie weiter.

Ein zehnjähriger Junge mit Mafiabike reisst das Vorderrad hoch, fährt ein Wheelie. Fährt und fährt um den halben Platz. Ein Knirps mit Roller guckt mit großen Augen. Reisst den Lenker herum, fährt auf einen Hügel. Schaut stolz in die Runde.

Zwei Frauen in Tanktops sonnen sich auf hölzernen Liegen. Ein paar Männer mit wilden Bärten werfen Blicke. Als die Frauen genervt aufstehen, schnappen sie Tüten und Taschen und stürzen hin. Zwei erobern die Liegen, verscheuchen die anderen. Die schlagen grummelnd ihr Lager unter Bäumen auf.

An der Eisdiele sitzen Menschen auf Bänken, auf denen steht, dass sie da nicht sitzen sollen. Die Polizei kommt, schließt den Laden: „Einundzwanzig Uhr, Sperrstunde!“ Die Leute essen gemütlich ihr Eis auf.

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Als ich aufwache, rauscht Regen vorm Fenster.

Das war so‘n typischer Berlin-Traum,
denke ich.

Frage mich, wie das aussehen würde.

Wenn man Träume fotografieren könnte…