Schlagwort-Archive: links

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

 

HEIMATSCHUTZHELM

 – wos host gsogt?

– goa nix

vogel pfeift ton schwebt luft vibriert küsst trommelfell

– host wos gsogt?

– na, imma no nix

stein segelt wasser weicht welt bricht schwappt an land

(diese ruhe zerrt an meinen nerven, ich höre schon gespenster)

– jetzat host aba wos gsogt

– na, nur denkt hob i mer wos

– na, wannds net reden wuist, lass mers holt

 axt schlägt zapfen fällt vogel kreischt fliegt auf dreht kreise

(ich lang mir an den kopf)

– diese schlawackis da aus poln san a zu deppert füa an oanfaches formular zum ausfuin

(gestelzt) aber du, des schönen deutsch mächtig qua geburt, hast das mit links für sie erledigt

– na, mit rechts, mia imma mit rechts aufm revier

– wos hoamatherzerl schlägt, mit vui gfui

– geeenau

 axt schlägt baum fällt vogel kreischt fliegt auf dreht kreise

(ich sehe hoch in die kronen, wolken ziehen, schwindel, natur muss man aushalten können)

Maja Linthe: Bloggen mit Hut

LETIT

Ich betrete den Text und schaue mich um. Direkt vor mir lungern halbstarke Großbuchstaben, lässig aneinander gelehnt. Sie drehen mir den Rücken zu und scheinen mich nicht zu bemerken. Vielleicht rauchen sie oder sie erwarten einen Elfmeter und beraten, wie sie sich aufstellen sollen. „LETIT“, in dieser Reihenfolge stehen sie noch nebeneinander, versperren mir die Sicht. Ich schleiche heran und spähe heimlich durch die Balken des E.

Ich kann keinen Fußball entdecken, aber in der Ferne sehe ich Linklöcher und Zwischenüberschriften wie Hütchen und Hürden beim Sportunterricht. Als das E etwas schreit, schrecke ich auf. Ich renne los und stolpere gleich im ersten Satz über ein Komma, das hier gar nicht hätte herumliegen dürfen. Ich hebe es auf und schleudere es mit Schwung über den Textrand hinaus. Als ich merke, was für Spaß es mir macht, mit Kommas zu werfen, springe ich einen Satz weiter runter und kicke den Punkt vor mir her wie eine scheppernde Dose. Langsam austrudelnd bleibt er in einer Satzkuhle liegen. Weil er nun oben fehlt, sammle ich ihn wieder ein und lege ihn reumütig zurück an die Abschussstelle. Dabei fällt mein Blick ganz zurück und ich sehe, dass das L und das I losgerannt sind, mir hinterher. Die zwei Ts und das E feuern sie an. Was genau sie rufen, verstehe ich nicht. Maja Linthe: Bloggen mit Hut weiterlesen

seitensprünge

Seitensprünge am Strand

Die schweißtreibende Wetterlage führt mich zum See um die Ecke: klares Wasser, bewaldete Ufer, kleiner Sandstrand.
Ich halte zwei Decken unter dem Arm. Eine platziere ich links am Strand, auf dem letzten freien Sonnenplatz, lege ein altes T-Shirt, das mir nicht mehr passt, und zwei wenig interessante Bücher darauf ab. Mit der anderen Decke laufe ich zur rechten Seite des Strandes auf den letzten freien Schattenplatz zu. Er liegt unter einer stattlichen Eiche. Nun schnell die alte Hose und das nicht mehr ganz frische T-Shirt fallen lassen und rein. Zweimal bis zur Mitte des Sees geschwommen, dann raus aus dem Wasser und Richtung Sonnenplatz (linke Seite) zum Trocknen. Die Decke ist bereits leer geräumt, ich habe ausreichend Platz. Seitensprünge am Strand weiterlesen