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Ricarda de Haas: Alhambra (1994)

ein muster
gemalt auf stein
strich punkt strich
zweidimensional
ein ich
betrachtend sinnierend
als dritte dimension

der klang von schritten
weckt stein um stein
mauern legen sich nieder
im wasser
bemusterte türen
großbogige öffnung
ins früher


wir sind punkte
nichts zählt
nur ein punkt
unter punkten
lächerlich

winziges ich
vibrierend pulsierend
ein ich
vernetzt mit anderen
ein anders-ich
ooh!

ein prinz-ich
ein früher-ich
ein spinnen-ich
spinne ich?

oje
ein über-ich
nichts wie weg

Großstadt Sommer

Ricarda de Haas

I

Die Luft so schwer. Ein anderer Aggregatzustand. Flüssig statt luftig. Bei jeder Bewegung ein Widerstand. Müde die Straße entlang schwimmen.

Gedanken schlafen. Große Pläne lösen sich auf. Das Ich reduziert auf basale Bedürfnisse.  Ruhe. Kühle. Keinen Durst. Nicht bewegen. Das Ende der vielgepriesenen Mobilität.

Die Welt unterteilt in Schatten und Sonne. Auf der Schattenseite des Lebens wohnt das Glück. Wir brauchen neue Metaphern.

.

II

Eine Demo. Laut. Trommeln. Sprechchöre. Go Vegan. Don’t take our lives. Dein Magen ein Tierfriedhof.

Das grüne V  baumelt schlapp von der Stange. Träge Füße auf heißem Asphalt. Tapfer stampfen sie im Takt. Etwas einsame Füße auch. (Ob zweisam laufende Füße je einsam sein können?) Die Vielen sind heute woanders. Unter brennender Sonne kämpft es sich schwer für anderer Tiere Interessen. Don’t take our lives.

.

III

Durch die Mittagshitze schwimme ich nach Norden. Langsam. GaumenZungenVerklebt. Sehnsucht nach Grün. Bäumen am Wasser. Garten mit Bier. GedankenSynapsenVerklebt. Ob Kühe so dumm im Kopf sind wie ich jetzt?

Schau schau.

Dumme Kuh ganz schlau.

I don’t want to take your live. I just wanna swap it.

Augen Blicke

Ricarda de Haas


Immer Wenn Ich So

In Die Welt


Geworfen Bin


Sehe Ich Anders.


Klarer.


Ausschnitte Nur.



I

Gedränge Am Hauptbahnhof.
Ein Mann Bückt Sich Über Den Abfall.
Sucht Nach Flaschen.
An Seinem Handgelenk Baumelt Leer Eine Tasche
Vom Drogeriemarkt.
Darauf Dicke Buchstaben: Home Sweet Home.

II
Der Flug Nach Wien Nicht Ausgebucht. Sie Stopfen Uns In Eine Kleinere Maschine. Mit Propellern. Eine Frau Fragt, Wann Das Ding Gebaut Wurde. Niemand Will Die Antwort Wissen. Wir Stöpseln Uns Musik In Die Ohren Und Hoffen Das Beste. Die Zur Arbeit Müssen Öffnen Laptops Auf Knien, Die An Den Vordersitz Stoßen. Vermutlich Hätte Die Fluggesellschaft Uns Menschen Gern Eckig. Dann Könnten Sie Uns Stapeln, Wie Tetrapacks.

III
Addis Abeba, Nachts, Von Oben.
Kleine Bunte Lichter Blinken Im Schwarz.
Sie Sind Rot, Blau, Grün,
Doch Meistens Gelb.
Punkte Nur.
Hingeworfen.
Ohne Struktur.
So Sahen Städte Im Dunkeln Aus, Als Ich Kind War.
Je Nördlicher Wir Fliegen Desto Heller Wird
Die Nacht Am Boden.
Lichterketten, Streifen, Autobahnkreuze.
Muster.
Städte Wie Landkarten,
Aus Licht Gezeichnet.

IV

In Frankfurt Wird Unsere Gruppe Geteilt. Hier Die EU-Pässe, Da Alle Anderen. Die Schlange Der Anderen Ist Lang.
Wir Gelten Als Maschinenlesbar. Passieren Mitten Im Flughafen Die Grenze
Zwischen Der Welt Und Schengen, Per Automatischer Schranke.
Mein Automat Kann Mich Nicht Lesen. Muss Ich Jetzt Zu Den Anderen?
Natürlich Nicht. Eine Menschliche Assistentin Hilft. Mir…
 


Mobility Als Paradigma Unserer Zeit.

Ich Denke Darüber Nach, Wer Eigentlich Mobil Ist.

Sein Kann. Darf. Muss. Wohin. Und Wann.