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Augen Blicke

Ricarda de Haas


Immer Wenn Ich So

In Die Welt


Geworfen Bin


Sehe Ich Anders.


Klarer.


Ausschnitte Nur.



I

Gedränge Am Hauptbahnhof.
Ein Mann Bückt Sich Über Den Abfall.
Sucht Nach Flaschen.
An Seinem Handgelenk Baumelt Leer Eine Tasche
Vom Drogeriemarkt.
Darauf Dicke Buchstaben: Home Sweet Home.

II
Der Flug Nach Wien Nicht Ausgebucht. Sie Stopfen Uns In Eine Kleinere Maschine. Mit Propellern. Eine Frau Fragt, Wann Das Ding Gebaut Wurde. Niemand Will Die Antwort Wissen. Wir Stöpseln Uns Musik In Die Ohren Und Hoffen Das Beste. Die Zur Arbeit Müssen Öffnen Laptops Auf Knien, Die An Den Vordersitz Stoßen. Vermutlich Hätte Die Fluggesellschaft Uns Menschen Gern Eckig. Dann Könnten Sie Uns Stapeln, Wie Tetrapacks.

III
Addis Abeba, Nachts, Von Oben.
Kleine Bunte Lichter Blinken Im Schwarz.
Sie Sind Rot, Blau, Grün,
Doch Meistens Gelb.
Punkte Nur.
Hingeworfen.
Ohne Struktur.
So Sahen Städte Im Dunkeln Aus, Als Ich Kind War.
Je Nördlicher Wir Fliegen Desto Heller Wird
Die Nacht Am Boden.
Lichterketten, Streifen, Autobahnkreuze.
Muster.
Städte Wie Landkarten,
Aus Licht Gezeichnet.

IV

In Frankfurt Wird Unsere Gruppe Geteilt. Hier Die EU-Pässe, Da Alle Anderen. Die Schlange Der Anderen Ist Lang.
Wir Gelten Als Maschinenlesbar. Passieren Mitten Im Flughafen Die Grenze
Zwischen Der Welt Und Schengen, Per Automatischer Schranke.
Mein Automat Kann Mich Nicht Lesen. Muss Ich Jetzt Zu Den Anderen?
Natürlich Nicht. Eine Menschliche Assistentin Hilft. Mir…
 


Mobility Als Paradigma Unserer Zeit.

Ich Denke Darüber Nach, Wer Eigentlich Mobil Ist.

Sein Kann. Darf. Muss. Wohin. Und Wann.

Nairobi, am Abend

Ricarda de Haas

Eine Straße im Zentrum, kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Autos, Musik, Leuchtreklame. Offene Ladentüren. Zigaretten, T-Shirts, Haare & Nägel. Auf dem Gehweg plaudernde Männer, fliegende Händlerinnen, Straßenkinder.

Im zweiten Stock ein Restaurant. Gesprächswolken dick wie Zigarettenqualm. Sieben Sorten Fleisch, neben 🐄 und 🐓 auch 🐐  und 🐫. Kein Alkohol. Dafür frischer Juice aus praktisch allem. Mango, Passionsfrucht, Ananas, Avocado.  Oder Dawa, Medizin. Ein heißer Trank aus Ingwer, Knoblauch und Zitrone.

An der Wand sind Waschbecken für die Gäste. Und ein grün leuchtender Kasten. Ein Automat?

Schließfächer. In jedem Fach ein USB. Während die Gäste speisen, träumen ihre Handies. Es ist der große Traum von einem grün schimmernden Leben nach dem Akku-Tod.

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Sehnsucht nach..

Ricarda de Haas

 

im winter keine sommer märchen erzählen.

niemand kann sich dann erinnern

An warme nächte

cafés in der sonne

goldenen glanz auf nackter haut.

Im winter..

niemand möchte sich erinnern.

An das nachttrunkene glück

vergangener monde

..

..

Im sommer..   warum nicht von winterstürmen faseln.

niemand wird sich noch erinnern

wie frieren geht

unbekümmert schlendern wir

am ufer

nur die kehle hat sehnsucht

nach kühlem eis.

Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Nachtschicht

Sie musste wach bleiben, den Blick auf die Formel richten, P1010165adie noch immer nicht stimmte. Sie gähnte. Rieb sich die Augen. Gähnte erneut. Den ganzen Tag lang das Grübeln und Verwerfen für nichts. Eine neue Berechnung. Der nächste Versuch. Papierkorb, real und digital. Weg damit.
Es arbeitete weiter und immer weiter in ihrem Hirn, obwohl längst das Mondlicht hell auf ihren Schreibtisch fiel. Etwas war falsch falsch falsch.
Die Glieder wie Steine so schwer. Sie ließ die Schultern kreisen und spürte keine Besserung. Vielleicht sollte sie kurz den Kopf auf die Arme sinken lassen. Und die Augen schließen. Nur für … ein paar … Minuten. Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen weiterlesen

Postkarte aus GÖRLITZ

Görlitz hat zwei Seiten: eine deutsche und eine polnische. Nachts hat es zwei andere Seiten: eine helle und eine dunkle.  Mehr muss man eigentlich nicht wissen über Görlitz.

Tags standen wir im Flüsterbogen. Der hat auch zwei Seiten. Ganz leise kann man einander etwas zuflüstern, auf deutsch oder polnisch, mit heller Stimme oder mit dunkler.

Abends, als es dunkelte, saßen wir vorm „Dreibeinigen Hund“ und aßen Ziegenrollbraten. Da schlichen die Katzen an uns vorbei. Sie waren noch nicht grau.

Marion Boginski: Klein(ich)keiten

Welche Farbe hat die Nacht?

(Kleine philosophische Frage)

Ist sie schwarz oder grau oder weiß?

Da haben wir das erste Dilemma!

Mit der Farbtheorie von Johannes Itten sind schwarz und grau und weiß keine Farben sondern Nicht-Farben.

Also besteht die Nacht aus Nicht-Farben oder ist nur dunkel oder hell?

Zumindest sind die Weißen Nächte bunt.

Doch verschwinden mit dem Licht rot, gelb, blau und alle Schattierungen dazwischen.

Nachtfoto

Aber waren überhaupt Farben da?

Hier kommt das zweite Dilemma!

Die Zeit ist eine Illusion, meinte Albert Einstein.

Was zu beweisen wäre wie seine „geheimnisvollen Kräuselungen der Raumzeit“, die Gravitationswellen, fast 100 Jahre später.

Kann es sein, dass auch Farben eine Illusion sind?

Dass sie nicht in der Welt existieren, sondern nur in unserem Geist?

Fanden zumindest der Londoner Philosoph und Arzt John Locke und der irische Bischof George Berkeley im 17. Jahrhundert.

Farbe ist nicht da, entsteht nur im Moment des Sehens. Eine Wahrnehmung zwischen Auge und Gehirn.

Und ist so komplex, dass es sich bis heute niemand wirklich erklären kann.

Ist nun die Nachtfarblosigkeit die wahre Wirklichkeit? Und ist Zeitlosigkeit die wahre Wirklichkeit?

Existieren sie nur in unserer Wahrnehmung?

Die Buddhisten gehen noch weiter. Sagen die ganze Wirklichkeit selbst ist eine Illusion.

Was zu beweisen wäre. Die Zeitillusion, die Farbillusion und die Wirklichkeitsillusion.

Vielleicht 100 oder 200 oder 500 oder 1000 Jahre später.

Bis dahin sehe ich die Nacht dunkel oder hell.

Wolkendunkel, winterdunkel, monddunkel …

Sternenhell, gewitterhell, schneehell …

Und weiß nur, dass ich nichts weiß!