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zeitenwechsel

Ricarda de Haas

vierundzwanzig stunden.
das ist die zeit, die zwischen beiden fotos liegt.

vierundzwanzig stunden oder ein jahr.
je nachdem, ob es einem etwas bedeutet, dass sich beim datum, das sich automatisch an den datei-namen hängt, die 2020 auf die 2021 dreht.
oder ob man diese zäsur als künstlich empfindet.
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für die landschaft – da kann man sich sicher sein – ist nur ein tag vergangen.
ein tag, an dem das eis auf dem see sich gebildet hat.
und wieder schmolz.
ein tag, an dem sich an diesem baum die knospen öffneten.
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und er zu blühen begann.
mitten im winter.
mitten in berlin.

Vorträumen

Vorgenommen habe ich mir nichts für dieses gerade begonnene Jahr, vorsichtig bin ich geworden mit meinem Vorhersagen und Vorausschauen. Diese eigenartige VOR-Silbe führt mich zurzeit eher zurück:
Vor langer Zeit hat es in diesem ersten Monat des neuen Jahres stets viel Schnee gegeben. Vor zwei Jahren habe ich in dieser Woche meine Ski ins Auto geladen, um ins Gebirge zu fahren, dort auf den Brettern den Wald zu durchqueren, bergauf, bergab.

Vor einem Jahr habe ich an diesem Tag vor meinem PC gesessen und einen Flug gebucht, für Mai, mit Frühbucherrabatt, in einen entfernten Winkel unseres Kontinents …
Nun sitze ich hier und zerreiße den (inzwischen ungültigen) Gutschein der Fluggesellschaft.
Wenigstens vordenken könnte ich ja in meiner Traumbastelbude für Träume mit hohem Erfüllungspotenzial. Ich drehe am Globus und spähe durchs Fernglas.
Da ist einer: Ich streife mit Élouise durch den Tagwald, denke über Assoziation zwischen Kiez und Welt nach, hefte dabei Postkarten aus verborgenen Winkeln Brandenburgs an die Bäume und streue Nachtschattennotizen auf den Weg.

Und dort noch einer: An einem schönen Sommertag drehen alle alphabettínen zusammen in Plessa das Mühlrad.
Das Fernglas beginnt vor Freude zu zappeln.