Schlagwort-Archive: On the road with Élouise

Maja Linthe: On the road with Élouise reloaded – 5

Élouise und ich spazierten zu zweit durch das Feld mit Platz zwischen uns für eine unsichtbare Dritte. Noch vor Anbruch der Sperrstunde wollten wir in der Dunkelheit die Unsichtbare nach Hause geleiten, wo immer das sei. Wir begegneten anderen spazierenden Paaren mit unsichtbaren Dritten in ihren Mitten, liefen in großen Bögen umeinander herum.

Mitten im Handschuhsheimer Feld lag ein Kaffeehäuschen, das schon länger im Lockdown war. Das große Fenster, durch das man einst Cappuccino hinausgereicht hatte oder Espresso Macchiato, war schon lange geschlossen, hatte kunstvoll Patina angesetzt, nach Graffiti-Art.

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Maja Linthe: On the road with Élouise reloaded – 4

Élouise und ich liefen durch den Herbst-Wald zum Heidelberger Bergfriedhof und sie galoppierte vorne weg, vollführte Freudensprünge, so als hätte man sie nach zwei Wochen aus der Quarantäne entlassen. Nachdem wir das schwere, kunstvoll geschmiedete Friedhofstor aufgeschoben und uns hindurchgeschoben hatten, stiegen wir vorsichtig die Treppe hinunter, liefen ruhiger, versuchten es respektvoll zu tun, respektvolles Laufen für die, deren Namen die Steine trugen um uns herum.

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Maja Linthe: On the road with Élouise – reloaded 3

Wir gingen spazieren, Élouise und ich, auf der Mannheimer Maulbeerinsel, zentrierten auf dem Display den kleinen Pfeil und folgten den blauen Punkten des Wegs. Die Stimme hatten wir stumm geschaltet. So liefen wir über die Insel zwischen Wasser und Erde, Schatten und Licht, bis vor uns mittendrin ein Turm wie ein Stachel im Boden steckte. Maja Linthe: On the road with Élouise – reloaded 3 weiterlesen

Maja Linthe: Bloggen mit Hut

On the road with Élouise – reloaded: Heidelbergblues

Wir gingen hinaus aus dem Feld, dorthin, wo die Stadt ihre Spuren verwischt hatte wie die Buchstaben einer mit Tinte geschriebenen Schrift. Die Stadt hatte sich abmontiert, ihren Standort verlagert. Was blieb, war der helle Zug ihres Namens auf einer schmutzigen Wand. Kein Licht war zuvor unter die Buchstaben gedrungen.

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Maja Linthe: Bloggen mit Hut

Remake für Mia in Berlin.

Élouise und ich warfen unsere Blicke durch den Zaun, strichen vorsichtig entlang am Stacheldraht. Die Verbote waren unübersehbar und schön anzuschauen. Der Himmel dahinter war zum Fliegen geöffnet, er zog uns an und ängstigte uns. Aber die Angst hielt uns nicht davon ab, durch die Zäune hindurch ans Fliegen zu denken.

Es begann leise zu regnen, vor und hinter dem Zaun, und in den Tropfen spiegelte sich ein Abbild des Himmels in Silber und Gold. Es kam uns nicht in den Sinn, den Zaun zu zerschneiden, ja, wir rüttelten nicht einmal daran. So standen wir vor dem rostigen Zaun und blickten hindurch auf die Tropfen, die dort vom Himmel gefallen waren.

Und wir öffneten hier den Mund, damit sie uns auf die Zunge fielen und wir erführen wie der Himmel schmeckte in Gold und in Silber. Wir spürten die Angst, aber sie störte uns nicht. Trotzig blickten wir in den geöffneten Himmel, seinen Geschmack auf der Zunge.

blog85

(aus dem Blog: „On the road with Élouise“)