seitensprünge

Es wird finster

Habt Ihr gestern schon zum Mond geschaut – und heute ( – und morgen)? Der frisst sich gerade rund und voll, tankt Kraft für den großen Sprung in die Finsternis. Dort könnt Ihr ihn suchen, in einigen Tagen, vor Anstrengung rot wird er sein. Ihr findet ihn, oder wartet darauf, dass die Finsternis ihn satt hat. Dann schiebt sie ihn wieder ab, den Mond. In ein Ankerzentrum, Transitzentrum oder Sammellager. Oder nur auf den BER, zu den Volkswagen. Falls dort noch Platz ist.

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Maja Linthe: Bloggen mit Hut

Stimmen

Entschuldigung, aber ich habe das nicht verstanden. Könnt ihr mal bitte ein bisschen leiser sein? Eine nach der anderen, ja? Alle kommen dran. Weshalb hallt das hier so? Der Hall lässt die Wörter ineinander verschwimmen, macht einen Wortbrei aus dem, was ihr sagt.

Ich mach da jetzt einfach was draus, aus dem, was ich nicht verstehe. Bestimmt soll das so sein. Ich schreib mir mal eine innere Stimme, eine, die mir Mut zuspricht, wenn ich wieder nichts verstehe. Ist ganz einfach, eigentlich. Man muss nur die eigene Erwartung zurücknehmen an dem, was man glaubt, verstehen zu müssen. Hört sich kompliziert an und ist es dann auch.

Klangkörper

Sind ermahnende Stimmen im Kopf immer weiblich, so mütterlich? Ab wie vielen Stimmen im Kopf ist man eigentlich verrückt? Wohl dann, wenn man die Kontrolle verliert, nicht mehr ich es bin, die ihnen das Wort erteilt. Ruhe, hab ich gesagt! Schön der Reihe nach. Sieh mal an, meine Stimmen gehorchen mir noch. Und weiblich sind sie, glaube ich, auch nicht. Obwohl sich das schwer unterscheiden lässt ohne Körper am Klang.

Was hast du gesagt? Ja, ist egal, vielleicht hast du Recht, obwohl ich wirklich gern wüsste, mit wem ich mich da unterhalte. Ist schließlich mein Kopf. Was ist denn jetzt besser für die Kreativität? Wenn ich die Diskussionsleitung mache oder lieber so basisdemokratisch? Na, euch kann ich nicht fragen …

Schön wäre, wenn ihr euch einigen könntet, vielleicht auf chorisches Sprechen. Mit Gesang wäre schön! Nur mit Hall ist so schwierig, dass sich da immer Falten bilden bei mir auf der Stirn, die gerunzelte Frage, ob ich nicht eigentlich – ich bessere mich – etwas Anderes, Besseres, Genaueres, Deutlicheres hätte verstehen müssen. Etwas … wie heißt das gleich? Jetzt helft mir doch mal!

Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Die Nacht wird nicht dunkel. Kaum ein Stern ist zu sehen, stattdessen die roten Lichter der Baukräne über den Dächern der Stadt. Turmhoch die Gebäude, die Preise, die Erwartungen. Der flexible Mensch des 21. Jahrhunderts macht sich immobil. Oder zockt und setzt auf Leerstand. Gedränge in den Fluren, auf den Bürgersteigen. Alle Parkhäfen sind belegt, alle Parkbänke auch.


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Claudia Schattach: Ansichten einer Kurzsichtigen

Ausschau halten

Man sucht den Horizont ab, nach Festland vielleicht, nach Menschen, nach Rettung. Dabei läge die Rettung vielleicht näher als man denkt. Die Weitsichtigen sind dabei im Vorteil, denn sie können den Horizont noch klar erkennen, der sie begrenzt und Halt bietet. Wir Kurzsichtigen dagegen schauen ins Ungefähre, Grenzenlose, das jeglichen Halt verweigert.

Auch gut – taste ich mich eben am Naheliegenden entlang und bin dadurch womöglich schneller am Ziel als die ewig Ausschau Haltenden, die sich von ihrem Aussichtspunkt nicht wegbewegen. Also warum in die Ferne schweifen, liegt das Glücke doch so nah?

Sicher, aber manchmal muss ich einfach in die Ferne blicken und Ausschau halten nach dem Unsicheren, Ungefähren und Unerreichbaren, um nicht zu vergessen, wie es sich anfühlt, Sehnsucht zu haben …

Postkarte aus Groß Breesen

Hier hinterm Haus sitzen und lesen. Das Gemurmel der andern Gäste hören. Über der Schafweide die Schwalben – knapp überm Boden. Zwitschern, Blätterrauschen. Ein Stück gehen, in die Bücherscheune gucken, zurückkehren, einen ganz großen Eisbecher mit Erdbeeren essen, weiter lesen. Zwischendurch ein Foto machen für die Postkarte aus Groß Breesen. Dann ein großer Raubvogel überm Haus. Leider erkenne ich sie immer noch nicht am Flugbild.

Anja Koemstedt: Notizen aus dem Papierkorb

horsts hirnanhangdrüse (hier in gelber ausführung)

zu gast bei freunden

hirnschranken schränken denken ein

sprach frank der schrank und verschwand

in der wand hinter seiner pressspanschrankrückwand.

 

nur hatte er die rechnung leider ohne fürst horst gemacht,

der ihn bereits mit fromm verschränkten händen milde lächelnd

auf der anderen seite der wand erwartete und ihn sich auf dem weg zum

ankerzentrum sanft zur brust nahm.

(denn die hirnschranke von fürst horst hatte sich das hirn

von fürst horst hübsch als hirneigenes ankerzentrum ausgedacht,

geschickt untergebracht in den hinteren gemächern.)

 

dort haust er nun, der frank, in der horstschen hirnanhangdrüse.

beileibe nicht als einziger. schön ist es dort nicht.

Ricarda de Haas: Wohnungsverbesserungsberatung

Oh, was für wunderbare Ideen Ihr Wiener Geschäftsleute habt! Unbedingt sollte man die Wohnung verbessern. Sofort.
Net vui, nur di ahn oder andre Schönheitsreparatur..

Der See zum Beispiel ist entscheidend verbesserungsbedürftig.
Sehen Sie, die Wohnung hat keinen. Null, niente, nada.

Ich hätt‘ ihn dann gern vorm Küchenfenster.

So mittelgroß.
Mit Badestelle.
Sand und Gras.
Dazu eine dieser hölzernen
Wechselkabinen. Groß genug, dass man einzwei Gästebetten
unterbringen
kann.
Strom muss nicht unbedingt.
Es reicht, wenn die Sonnenstrahlen so schräg durch die Spalten der Bretter fallen. Und das Knarzen der Tür soll bitte echt klingen. So authentisch 50er.

Dazu Bleßhühner im Schilf, mit flauschig
rotschöpfigem Nachwuchs. Ein Boot natürlich. Mit kupferfarbenen Segeln.

Abends jemand, der Fisch ohne Gräten serviert. Weißwein im kühl beschlagenen Glas. Nachts dann Platzregen, Wetterleuchten.

Während man drin warm sitzt.

Das, wenn Sie mir verbessern könnten, bittschön. Zu aufwändig? Ah ja. Na, in dem Fall.. Da verzicht‘ ich eben auf die Bleßhühner.

Aber a Enterl..
A kloans Enterl sollt‘ scho sein.

 

 

seitensprünge

Seitensprünge

Kennt Ihr dieses weiße Loch?

Da habe ich mal wieder recherchiert und recherchiert und recherchiert und …. Bin gesprungen von einer Internetseite zur nächsten, von einer Bibliothek in die nächste von einem kompetenten Gesprächspartner zum nächsten (es waren in diesem Fall tatsächlich alles Männer☹) und sitze nun in mitten eines Berges von Dateien, Büchern, Zettelchen … und starre auf das eine unbeschriebene Blatt, das weiße Loch. Und springe nicht zur Seite. Und falle hinein. Und übe mich im Klimmziehen, im mich Herausziehen. Aber ach, Bizeps und Trizeps und wie sie sonst noch alle heißen sind vom Aufschütten der Rechercheberge ermüdet.

Aber da: Ein Leuchten hoch über dem weißen Loch, wo kommt das her? Natürlich! Aus Rheinsberg! Die alphabettínen in Rheinsberg. www.alphabettinen.de Fröhliches Winken, helles Lachen, wir ziehen mich heraus aus dem weißen Loch,  am kommenden Freitag schon.

Maja Linthe: Bloggen mit Hut

Gestern habe ich Zeit verloren im Netz und heute danach gesucht

Gestern habe ich Zeit verloren im Netz und heute danach gesucht. Ich las die Timeline rauf und runter auf der Suche nach dem Keyword der Zeit. Pfeilschnell überflog ich Websites, so als sähe ich sie ganz weit von oben. Ich scannte hoch hinauf, skimmte im Sturzflug und stieg mit dem Scrollbar wieder auf. Gedanken tanzten mir aus dem Kopf, manche schlugen Purzelbaum. Federleicht waren sie, so wie ich. Maja Linthe: Bloggen mit Hut weiterlesen