Ricarda de Haas: Wohnungsverbesserungsberatung

Oh, was für wunderbare Ideen Ihr Wiener Geschäftsleute habt! Unbedingt sollte man die Wohnung verbessern. Sofort.
Net vui, nur di ahn oder andre Schönheitsreparatur..

Der See zum Beispiel ist entscheidend verbesserungsbedürftig.
Sehen Sie, die Wohnung hat keinen. Null, niente, nada.

Ich hätt‘ ihn dann gern vorm Küchenfenster.

So mittelgroß.
Mit Badestelle.
Sand und Gras.
Dazu eine dieser hölzernen
Wechselkabinen. Groß genug, dass man einzwei Gästebetten
unterbringen
kann.
Strom muss nicht unbedingt.
Es reicht, wenn die Sonnenstrahlen so schräg durch die Spalten der Bretter fallen. Und das Knarzen der Tür soll bitte echt klingen. So authentisch 50er.

Dazu Bleßhühner im Schilf, mit flauschig
rotschöpfigem Nachwuchs. Ein Boot natürlich. Mit kupferfarbenen Segeln.

Abends jemand, der Fisch ohne Gräten serviert. Weißwein im kühl beschlagenen Glas. Nachts dann Platzregen, Wetterleuchten.

Während man drin warm sitzt.

Das, wenn Sie mir verbessern könnten, bittschön. Zu aufwändig? Ah ja. Na, in dem Fall.. Da verzicht‘ ich eben auf die Bleßhühner.

Aber a Enterl..
A kloans Enterl sollt‘ scho sein.

 

 

seitensprünge

Seitensprünge

Kennt Ihr dieses weiße Loch?

Da habe ich mal wieder recherchiert und recherchiert und recherchiert und …. Bin gesprungen von einer Internetseite zur nächsten, von einer Bibliothek in die nächste von einem kompetenten Gesprächspartner zum nächsten (es waren in diesem Fall tatsächlich alles Männer☹) und sitze nun in mitten eines Berges von Dateien, Büchern, Zettelchen … und starre auf das eine unbeschriebene Blatt, das weiße Loch. Und springe nicht zur Seite. Und falle hinein. Und übe mich im Klimmziehen, im mich Herausziehen. Aber ach, Bizeps und Trizeps und wie sie sonst noch alle heißen sind vom Aufschütten der Rechercheberge ermüdet.

Aber da: Ein Leuchten hoch über dem weißen Loch, wo kommt das her? Natürlich! Aus Rheinsberg! Die alphabettínen in Rheinsberg. www.alphabettinen.de Fröhliches Winken, helles Lachen, wir ziehen mich heraus aus dem weißen Loch,  am kommenden Freitag schon.

Maja Linthe: Bloggen mit Hut

Gestern habe ich Zeit verloren im Netz und heute danach gesucht

Gestern habe ich Zeit verloren im Netz und heute danach gesucht. Ich las die Timeline rauf und runter auf der Suche nach dem Keyword der Zeit. Pfeilschnell überflog ich Websites, so als sähe ich sie ganz weit von oben. Ich scannte hoch hinauf, skimmte im Sturzflug und stieg mit dem Scrollbar wieder auf. Gedanken tanzten mir aus dem Kopf, manche schlugen Purzelbaum. Federleicht waren sie, so wie ich. Maja Linthe: Bloggen mit Hut weiterlesen

Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen

Plastikmüll

Der Grill so groß wie ein Mittelklassewagen. Das arme Schwein ist halb verkohlt. Der Fisch trägt mehr Plastik in sich als der Teller, auf dem er gleich landen wird. Das in Würstchenform gepresste Phytoöstrogen hält Abstand zu all dem Tierischen. Fett trieft. Dämpfe wabern. Männer greifen zu. Frauen lassen das Brot weg. Und die Kräuterbutter. Und die Steaksoße. Unter dem Tisch speisen die Mücken, saugen das frisch getankte Eisen aus rasierten Beinen. Claudia Breitsprecher: Ausrufe und andere Zeichen weiterlesen

Claudia Schattach: Ansichten einer Kurzsichtigen

Heute kein Foto.
Kein Foto, das die Katastrophe, die sich auf meinem Balkon ereignet hat, dokumentieren würde. Erstens denkt man in so einem Moment nicht daran, Fotos zu machen, man ist damit beschäftigt, sich um die Opfer zu kümmern. Zweitens könnte selbst die stärkste Verschwommenheit eines Fotos die Abscheulichkeit dieses Ereignisses nicht abmildern. Sensiblen Gemütern, insbesondere solchen mit einer starken Vorstellungskraft, empfehle ich an dieser Stelle, nicht weiterzulesen. Claudia Schattach: Ansichten einer Kurzsichtigen weiterlesen

Postkarte aus Seyðisfjörður

Seyðisfjörður, das bedeutet Zaubertrankfjord. Eine Trollfrau stand hier, das eine Bein auf dem rechten Berg, das andere Bein auf dem linken Berg und rührte mit einem großen Löffel den Zaubertrank um, den sie kochte, so erzählt man sich. So erzählt man sich in diesem Land, aus dessen Erde es blubbert und dampft, in diesem Land, das die Mutter der Berge verehrt, in diesem Land, das nicht anders entstanden sein kann als durch Erzählen. Berg und Fjord und Trollfrau wurden erzählt und mit dem Erzählen wurden sie sichtbar.

Anja Koemstedt. Notizen aus dem Papierkorb

 

augen auf schlag

early morning yawning

blechlawinen bling bling

supermarket ding ding

bankenschlachten kling kling

arbeitwollnse xing xing

auch geier reihern (boring)

auch geier reihern (boring)

china schießt auf ming ming

toter vogel sing sing

ditschmecktnicht : ( chicken wing wing

onlineterror ring ring

schiri kennst du king king

boah!diemerkel! ping ping

bordertrump please: ging ging

god is only surfing

god is only surfing

god is only surfing

SprachZeitRäume

Ricarda de Haas

 

Eldoret

I

Sprechen
Zuhören
Schauen
Denken
Fotografiert werden
Warten.

II

Konferenzen sind Zeit-Räume. SprachwandelOrte. Schrift wird zu gesprochener Sprache.  Körper zu Text. Komplexe Satzstrukturen zu simplen Schlagworten, an die Wand geworfen.

Viele Worte in vielen Sprachen. Notgedrungen einigt man sich auf eine. Spricht nebenher noch die eigene. Hört die anderen als Klang. Eine sticht heraus. Die neue, die man grade lernt.

Der Klang hallt im Ohr nach. Es ist, als würde ich die Sprache mit Verzögerung hören. Während wer antwortet, verstehe ich erst die Frage. Als wäre ein Kurzzeitspeicher in meinem Kopf, der alle Gespräche aufzeichnet, damit ich sie später rekonstruieren kann.

 

III

Nie wirklich allein sein. Kaum setze ich mich in die Sonne, kommt eine besorgte Sekretärin. Ob mir nicht gut sei. Mir geht’s gut. Ich will nur mal nichts hören, nichts denken, für mich sein. Das Konzept scheint unübersetzbar. Alleinsein ist Einsamkeit ist Unwohlsein. Ich kriege Tee und Kekse für einen wehen Bauch. Einblicke ins Familienleben für Verbundenheit.

Am nächsten Tag wähle ich eine ferne Bank unter Bäumen. Genieße die leichte Brise. Stille. Sehe von fern eine Schulklasse. Fünf Minuten später sind sie da. Ein paar Jungs traun sich, mich anzusprechen. Als ich antworte, umringt mich die ganze Klasse. Ich schüttele dreißig Hände, lerne dreißig Namen. Selfies natürlich.
Konferenzen sind erholsam, im Vergleich zu Schulklassen.

 

Nairobi

Verhandeln am Eingang zum Campus. Ich habe einen Termin, aber keinen Uniausweis. Die Diensthabende ist überfordert. Ihr Kollege flirtet dezent, winkt mich durch. Da wird sie streng. Ich muss detaillierte Angaben machen: Name, Anliegen, Büro. Und ein Ausweis muss sein. Egal welcher, Hauptsache Foto.

Ihr Kollege ist besorgt. Ob ich den Weg fände? Das weiße Gebäude dort vorn, fünfter Stock. Ich schaue mich um. Alle Gebäude sind mehrstöckig und weiß. Er lacht und bittet jemanden, mich ins Department for Modern Languages zu begleiten.

Ich hatte mehrfaches Verlaufen eingeplant. Jetzt bin ich zu früh und warte auf dem Gang. Alles ist still. Die Mitarbeiter sind im Streik. Nur Prüfungen finden statt. Ich blättere in Kaminers ‚Ausgerechnet Deutschland‘, das ich als Gastgeschenk dabei habe. Schlendere zu den Aushängen. Lese. Stutze.

Dying in Germany?? Und dazu ein fröhliches Gesicht? Ich zupfe am Plakat, das darüber lappt. Jetzt heisst es: ‚dying in Germany – simply tempting.“

Hm, ich habe in den hiesigen sozialen Medien schon einige sehr seltsame Annahmen über Deutschlands Umgang mit Flüchtlingen gelesen. Aber das scheint mir nun doch etwas pointiert. Oder bin ich gerade in eine von Kaminers Geschichten gepurzelt? Es ist so still hier. In welcher Zeit, in welchem Raum bin ich? Diesem Autor ist ja so einiges zuzutrauen..

Schritte hallen. Meine Verabredung kommt. „Bewunderst du unsere Werbung für’s Studieren in Deutschland?“

 

 

 

 

 

 

 

seitensprünge

Suchergebnisse

Und wieder sind wir alle auf der Suche. An diesem Wochenende auf der Suche nach der Quelle unseres Lebens. Wir suchen rechts und links und überall. Ich suche gerade mein letztes Pilsner Urquell. Vergeblich. Alexa!

„Alexa, wo ist mein Bier?“

„Bier macht dicke Bäuche.“ Dann das berüchtigte Alexa-Lachen, dieses hämische.

Also Siri. „Siri, wo ist mein Bier?“ Suchergebnisse weiterlesen